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            <journal-title>TATuP – Journal for Technology Assessment in Theory and Practice</journal-title>
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         <article-id pub-id-type="doi">10.14512/tatup.7213</article-id>
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            <article-title xml:lang="de">Meeting report: „Geist, Welt und KI“. Conference, 2025, Munich, DE</article-title>
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                  <institution>Hochschule für Philosophie</institution>
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            <year>2025</year>
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               <license-p>This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY).</license-p>
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      <p>Künstliche Intelligenz (KI), oder das, was sich ‚künstliche <italic>Intelligenz‘</italic> nennt, ist inzwischen allgegenwärtig. Die Einschätzungen, Euphemismen oder Weltuntergangsvorhersagen könnten häufig nicht weiter auseinander liegen. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Relevanz fand vom 20. bis 22. März 2025 an der Hochschule für Philosophie in München die Konferenz „Geist, Welt und KI“ in Kooperation mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart statt.</p>
      <p>Die inhaltlichen Grundpfeiler der Konferenz waren der theoretische, praktische und ästhetische Umgang mit KI beziehungsweise ihre Bedeutung für diese Kategorien des Denkens, mit denen sich neun Philosoph*innen und Forschende in ihren Vorträgen auseinandersetzten. Als erste und grundlegende theoretische Frage stellte sich der Unterschied zwischen Mensch und KI, ob wir bald „das Ende der Herrschaft der Menschheit“ erleben oder es doch, „nicht eine unüberbrückbare Lücke oder einen Unterschied zwischen dem Geist (verstanden als unsere Überzeugungen, die auf Gründe reagieren, und als Handlungen, die Gründe umsetzen) und der künstlichen Intelligenz (verstanden als Mustererkennung in großen Datenmengen)“ gibt?</p>
      <sec id="Sec1">
         <label>1</label>
         <title>Theorie: kategorialer oder gradueller Unterschied?</title>
         <p>Die Frage, ob der Mensch, genauer, der menschliche Geist und sein algorithmisches Pendant auf Silikonbasis zueinander in kategorialer oder bloß gradueller Differenz stehen, war ausschlaggebend für die meisten Vorträge und sorgte auch für die meisten Unstimmigkeiten zwischen den Expert*innen.</p>
         <p>Unter anderem argumentierte Daniel Martin Feige (Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart), dass wir Menschen vernünftige Lebewesen sind. Dies meint, dass das, was wir ‚Vernunft‘ nennen, untrennbar mit unserem sinnlichen und körperlichen Leben verbunden ist. Vernunft ist eine transformative, nicht nur attributive Eigenschaft des Lebens. Aufgrund seiner körperlichen Sinnlichkeit steht menschlicher Geist in einem lückenhaften Verhältnis zur Wirklichkeit, er erlangt Welt erst durch Repräsentationen. Künstliche Intelligenz hat, selbst wenn sie mit sensorischen Fähigkeiten (Kameras, Mikrofone etc.) ausgestattet ist, keine Repräsentation der Wirklichkeit im Sinne einer Welt, sie ‚fühlt‘ nicht die Sonne, sondern folgt bloß quantifizierungslogischen Berechnungen, ihr internes Thermometer steigt höchstens um ein paar Grad. Aufgrund der Lückenlosigkeit von digitaler Logik gibt es hier nicht jene Repräsentation, durch welche der Mensch zu seiner Welt kommt.</p>
         <p content-type="eyecatcher" specific-use="Style2">Künstliche Intelligenz fühlt die Sonne nicht.</p>
         <p>Eine Analogie zur Repräsentation als drittes Medium von Geist und Welt, findet sich in der Medialität des Ästhetischen in der Kunst. Eva Schürmann (OvGU Magdeburg) zeigte in ihrem Vortrag die Möglichkeiten von KI im Herstellungsprozess von Kunst; etwa könnten erste KI-Modelle Rembrandt-Nachahmung anfertigen. Doch selbst wenn eine KI Kulturgüter erschaffen kann, die Menschen ästhetisch bewegen, was natürlich noch kein Kriterium für Kunst ist, so bleibt die schon bei Kant herausgearbeitete Fähigkeit der Urteilskraft von Ästhetischem beim Menschen. Der KI fehlt die Medialität und Perspektive, die Geschmacksurteile für den Menschen zwischen Objektivität und Subjektivität verankern, sie könnte höchstens nach quantifizierenden Beurteilungsmechanismen eindeutige Entscheidungen ohne Ambivalenzen treffen. Selbst wenn KI Material der Kunst sein kann – das Beurteilen und Erfahren von Kunst und Kultur bleibt wohl erstmal dem Menschen überlassen.</p>
         <p>Doch geriet diese optimistische Abgrenzung von Menschen zur Maschine auch an berechtigte Kritik, Anthropozentrismus fiel des Öfteren als Schlagwort. Dominik Finkelde, Hochschule München und einer der Organisatoren der Konferenz, nahm einen über 200 Jahre alten Streit zwischen Kant und dessen Kritiker Salomon Maimon zum Anlass, einen Begriff von Bewusstsein zu konstruieren, der die Differenz zur Maschine weniger eindeutig macht. Für Maimon sind – im Gegensatz zu Kant – Sinnlichkeit und Verstand nicht getrennt, sondern Sinnlichkeit selbst ist ein Verstandeseffekt. Die Welt ist also nicht das vom Verstand bloß betrachtete ‚Gegebene‘, sondern ist selbst eine unbewusste Verrechnung von unendlich vielen Differentialverhältnissen, Mikroperzeptionen, durch welche Wirklichkeit erst virtualisiert wird. Wirklichkeit ist kein passiver Blick auf die Dinge, sondern wird aktiv konstruiert. Bewusstsein ist selbst erst ein sekundärer Effekt dieser Virtualität als symbolischer Ordnung. Es wäre nicht mehr ausgeschlossen, dass eine Maschine sich eine ähnliche virtuelle Wirklichkeit errechnen und so etwas erreichen könnte, was wir Bewusstsein nennen.</p>
      </sec>
      <sec id="Sec2">
         <label>2</label>
         <title>Politische Dimension: Sprechen über KI</title>
         <p>Neben theoretischen Debatten wurde es auch immer wieder politisch. Einheitlich kritisch gesehen wurde der übermäßige KI-Hype aus dem Silicon Valley und von Figuren wie Elon Musk und Sam Altman, und dass der Begriff KI bereits 1956 erstmals genannt für einen Antrag auf Forschungsgelder als Euphemismus verwendet wurde, verrät noch viel über die heutige Verwendung des Begriffs in inzwischen jedem lebensweltlichen Bereich.</p>
         <p>Benjamin Rathgeber (Hochschule für Philosophie) widmet seinen Vortrag insbesondere dem Sprechen über KI. Auch von Daniel Martin Feige wurde herausgearbeitet, dass man durchaus von einem ‚conceptual engineering‘ in dem Bereich sprechen kann, also dass Gruppen mit ideologischem Interesse oder Kapitalinteresse Begriffe wie Intelligenz im Diskurs so anpassen, dass sie auf ihre Technik zutreffen. Rathgeber legte nun einen Schwerpunkt auf die Frage, wie wir über KI reden und wo es vielleicht überhaupt erst neue Begrifflichkeiten braucht, um bestimmte Probleme korrekt zu beschreiben. KI ist Konzeptualisierung unserer instrumentellen Vernunft, also grundsätzlich ein Mittel, um bestimmte Zwecke zu erreichen. Es dürfen aber nicht die Zwecke, die wir erreichen wollten, aus den Augen verloren werden, sonst wird die Automatisierung Selbstzweck.</p>
      </sec>
      <sec id="Sec3">
         <label>3</label>
         <title>Praxis: Transformation menschlicher Subjektivität</title>
         <p>Diesem Impetus, statt nach dem ‚Was‘ überhaupt erstmal nach dem ‚Wie‘ zu fragen, folgte auch Christiane Voss (Bauhaus Universität Weimar). Mensch und Maschine kann man unendlich ausdefinieren, statt sich also um Wesensbestimmungen zu kümmern, sollten wir uns fragen, wie Technik als Werkzeug unsere Denkprozesse beeinflusst. Werkzeuge sind nämlich kein reines Übersetzungsmedium von Gedanken in die Welt, sondern immer schon Teil des Denkprozesses selber. So lässt sich keine klare Trennung zwischen Agent und Werkzeug feststellen, vielmehr wird menschliche Subjektivität immer neu durch Technik transformiert. Diese Transformationsprozesse zu beschreiben und zu reflektieren sollte im Vordergrund stehen.</p>
         <p>Eva Weber-Guskar (Ruhr Universität Bochum) legte einen Fokus auf ‚affective computing‘: Wie sind emotionale Bindungen, die sich zwischen Menschen und Chat Bots bzw. KIs entwickeln, zu erklären? Ein Ansatz wäre es, diese Beziehung wie die durchaus starke Verbindung von Menschen zu fiktiven Charakteren zu denken, also einer Roman- oder Filmfigur. In diesem Rollenspiel fiktionalisiert sich auch der Mensch selbst. Wenn es heute menschliche Kommunikation gibt, in der jedoch nur noch eine Seite menschlichen Geist hat, begründet sich eine neue soziale Wirklichkeit, für welche wir ethische und soziale Regeln und Grundbegriffe brauchen, bisherige Vorstellungen über die Sozialität des menschlichen Subjekts stoßen hier an ihre Grenzen.</p>
         <p>In keinem anderen Feld menschlicher Handlungen ist bereits die Verstrickung von Mensch und KI so fortgeschritten wie in der Wirtschaft. Unter dem Sammelwort Industrie 5.0 analysierte Christiane Voss die neuen Verhältnisse von Lohnarbeit, auch im Kontrapunkt zur Industrie 4.0, der Automation. Während das Top-Management besser bezahlt wird, erodiert das mittlere Management und damit wesentlich die Expertise in Arbeitsfeldern. Einem durch KI-Ersatz geschmälerten Management stehe eine wachsende Lohnarbeit gegenüber. Anstelle von der vorstehenden mittleren Ebene angeleitet zu werden, fänden sich Lohnarbeiter*innen vermehrt als dezentralisierte Individuen einem selbstorganisierten KI-System auf ihrem Smartphone gegenüber wie beispielweise in den vielen Kurierdienst-Apps.</p>
         <p>Eine weitere Perspektive der Subjektivitätstransformation im Digitalen machte Florian Arnold (Staatliche Akademie der Bildenden Künste) mit seinem Beitrag zum Gaming auf: In Videospielen haben wir nicht nur eine immersive Welt als Bild vor uns, sondern vielmehr eine interaktive Umwelt, in welcher das Subjekt sich selbst vorfindet. In der Bild-Welt des Videospiels eröffnet sich damit eine zweite Realität, welche ihre Konstruiertheit durch KI-Anwendungen weiter verflüssigen kann.</p>
         <p>Die Konferenz verlief in diesem Dreischritt von grundlegend-theoretischer Diskussion um die Distinktion von Mensch und KI über eine Kritik des Diskurses und der sprachlichen Ummünzung von Geistesbegriffen hin zu einer Analyse der praktischen Transformation von Subjektivität durch KI-Technik. In der theoretischen Bestimmung der Begriffe war das besonders Interessante die Uneinigkeit der Vortragenden, welche wohl selbst Symptom der aktuellen Debatten ist. Im Praktischen herrschte dagegen große Einigkeit, über die Notwendigkeit, den Einsatz neuer Technologien radikal zu reflektieren und ihn sozial, gerecht und für den Menschen zu gestalten.</p>
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               <title>Weitere Informationen</title>
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            <p>
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