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            <journal-title>TATuP – Journal for Technology Assessment in Theory and Practice</journal-title>
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         <article-id>7272</article-id>
         <article-id pub-id-type="doi">10.14512/tatup.7272</article-id>
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            <article-title xml:lang="de">Book review: Uhle, Christian (2024): Künstliche Intelligenz und echtes Leben. Philosophische Orientierung für eine gute Zukunft</article-title>
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                  <surname>Schneider</surname>
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                  <email>ralf.schneider@kit.edu</email>
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                  <institution>Karlsruher Institut für Technologie</institution>
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            <year>2025</year>
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               <license-p>This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY).</license-p>
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      <p>Es ist kaum möglich, sich Bucherscheinungen der Fach- und Sachliteratur der letzten Jahre anzuschauen, und nicht dem Thema der künstlichen Intelligenz (KI) zu begegnen. Gerade bei diesem Themenkomplex ist es wichtig, sich auch mit den Auswirkungen einer solchen Technologie auf Individuen und die Gesellschaft, dem Verhältnis von KI und Menschen und der Rolle von KI im echten Leben zu befassen. Der Philosoph Christian Uhle widmet sich in seinem Buch ‚Künstliche Intelligenz und echtes Leben. Philosophische Orientierung für eine gute Zukunft‘ diesen Verbindungen.</p>
      <sec id="Sec1">
         <label>1</label>
         <title>Die Versprechen von Technologien</title>
         <p>Um sich KI, die vielfach mit „Wertevorstellungen und Hoffnungen“ (S. 17) durchzogen ist, in einer angemessenen Breite zu nähern, wählt Uhle fünf durch Ausrufezeichen betonte Technologieversprechen zur Stillung von elementaren menschlichen Bedürfnissen als seine Hauptkapitel aus: „Endlich mehr Zeit für dich!“, „Du bist nicht allein!“, „Ein neuer Freund und Helfer!“, „Die Welt ist dir zu Diensten!“ und „Sinn statt Hamsterrad!“. Er analysiert, inwieweit die Versprechen wie Zeitersparnis, die optimale Interaktion von Menschen bis hin zum Finden des idealen Lebenspartners oder die Reduktion lästiger Arbeiten durch KI erfüllt werden können oder leere Hülsen sind. Damit ist das Buch sowohl für die/den technikgeplagte*n oder -begeisterte*n Bürger*in als auch für die/den Wissenschaftler*in auch der Technikfolgenabschätzung gedacht. Uhle konstatiert selbst: „Methodisch ist das vorliegende Buch damit an das Vision Assessment – also die kritische Analyse soziotechnischer Zukunftsvisionen – aus den Bereichen Science and Technology Studies/Technology Assessment angelehnt sowie an das Visioneering“ (Fußnote 5, S. 280).</p>
         <p>Dabei fällt auf, dass der Autor unvoreingenommen das Für und Wider zu gleichen Teilen zu berücksichtigen versucht. Da sowohl die hier beleuchteten Technologieversprechen als auch fiktionale Literatur Geschichten erzählen, die in Menschen etwas bewirken können, bedient er sich bei seinen Erläuterungen konsequenterweise nicht nur philosophischer und sozialwissenschaftlicher Literatur sowie studienbasierter Daten, sondern auch Verweise auf zum Teil alte Science-Fiction-Literatur, u. a. ‚Automatenzeitalter‘ (Ri Tokko <xref ref-type="bibr" rid="CR1">2025</xref>) von Ludwig Dexheimer (alias Ri Tokko) aus dem Jahr 1930, worin eine utopische Technikzukunft beschrieben wird, deren bis ins Extreme durcherzählte Technikversprechen unserer heutigen Technik erstaunlich ähneln. Ein weiteres Buch, auf das Uhle referiert, ist ‚Die Maschine steht still‘ von Edward Forster (<xref ref-type="bibr" rid="CR2">2018</xref>) von 1909, worin mehr als eine Parallele zur Gegenwart ins Auge sticht. Diesen und weiteren Geschichten stellt der Autor u. a. antik-griechische Erzählungen des von Hephaistos erschaffenen Bronzeroboter Talos gegenüber oder verweist auf Ovids Pygmalion, woraus deutlich wird, wie ausgedehnt die zeitliche Spanne ist, in der sich Menschen bereits mit Vorläufern der KI-Technik in Geschichten auseinandersetzen. Und gerade die Ähnlichkeit fiktionaler Erzählungen, die durchaus politische und gesellschaftliche Relevanz haben können (Hermann <xref ref-type="bibr" rid="CR3">2023</xref>), mit gegenwärtigen Technologieversprechen und ihren Konsequenzen, macht Uhles Analyse so plausibel, weil sie an Erfahrungen über Epochen hinweg anschließt.</p>
      </sec>
      <sec id="Sec2">
         <label>2</label>
         <title>Nebeneffekte von KI</title>
         <p>Eine Kernbotschaft des Autors ist:„Wenn wir die Welt technisch betrachten, drohen auch wir selbst technischer zu werden. Der technische Blick sieht die Welt als ein systemisches Ding an, das uns zur Verfügung steht und an unsere Bedürfnisse angepasst werden kann. […] Denn unser Lebensgefühl wird wesentlich dadurch geprägt, wie wir mit unserer Welt in Beziehung treten“ (S. 29).</p>
         <p content-type="eyecatcher" specific-use="Style2">„Wenn wir die Welt technisch betrachten, drohen auch wir selbst technischer zu werden […].“ (S. 29)</p>
         <p>Uhle sensibilisiert die/den Leser*in dafür, dass die Nutzung von Technik auch einen nicht offensichtlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden und Innenleben haben kann. Dabei verdeutlicht er in allen fünf Kapiteln durch die Hervorhebung bekannter Phänomene der Gegenwart und untermauert von aktuellen Forschungsergebnissen unterschiedlicher Disziplinen, wohin der Einsatz von digitaler Technologie und nun KI führen kann: Wo Zeitgewinn versprochen wird, schleicht sich ein 24/7-Dauerstress ein, der zur Überlastung führt. Bei jedem neuen Gerät, jeder neuen Software, jeder neuen Version eines <italic>learning language models</italic> muss das repetierte Versprechen des Zeitgewinns in der Praxis stets relativiert werden, da der beworbene Idealzustand, wie bei all den anderen Versprechen, nie eintritt. Wo ein Miteinander versprochen wird, entsteht Einsamkeit, die in Depression münden kann. Wo Assistenz versprochen wird, verdrängt die Technik Menschen und man verlernt den Umgang mit Lebewesen. Wo smarte Gegenstände versprochen werden, lauert die permanente Überwachung und man bezahlt die Bequemlichkeit mit seiner Privatsphäre. Wo das Internet der Dinge versprochen wird, entsteht eine totale Abhängigkeit von Technikkonzernen. Diese Technologieversprechen haben gemeinsam, dass wenige Konzerne über die Algorithmen entscheiden, die die gegenwärtige und zukünftige globale Infrastruktur bestimmen (S. 273). Es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass es bei all der Technologie und ihrer Einsatzmöglichkeiten, „in vielen Fällen ein Problem [ist], dass das digitale Technologiedesign von unternehmerischen Interessen gelenkt wird, die nicht zwingend deckungsgleich sind mit dem Wohlergehen der Nutzerinnen und Nutzer“ (S. 272).</p>
         <p content-type="eyecatcher" specific-use="Style2">Der Einsatz von KI kann Vorhandenes sowohl verbessern als auch verschlechtern.</p>
         <p>Wie viele andere Veröffentlichungen macht Uhle deutlich, dass der Einsatz von KI Vorhandenes sowohl verbessern als auch verschlechtern kann, Altes ersetzt und Neues entstehen lässt. Das Besondere in seinem Buch ist, dass er sehr konkret darauf eingeht, welche Auswirkungen KI auf das menschliche Verhalten, das Denken und die Fähigkeiten bis hin zum menschlichen Selbst hat.</p>
         <p>Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen, wenngleich sie im Verlauf aufeinander Bezug nehmen. Das ermöglicht, sie auch getrennt voneinander zu lesen. Mit einem guten Gespür für das Wesentliche, zahlreichen Beispielen und Zitaten, umfangreichen Quellenangaben und Anmerkungen sowie einer positiven Grundhaltung thematisiert Christian Uhle Prozesse, die sich hinter den hier hervorgehobenen Technologieversprechen an der Oberfläche und im Verborgenen des Einzelnen und der Gesellschaft als Ganzes abspielen.</p>
         <p>Auch der Autor selbst gibt im Untertitel seines Buchs ein Versprechen, nämlich „[p]hilosophische Orientierung für eine gute Zukunft“. Eine Orientierung erreicht er mit seinem Ansatz durchaus. Das Besondere an diesem Buch ist, dass Uhle nicht nur über neue Studienergebnisse zu KI informiert, diese mit philosophischen Überlegungen verbindet und die Lesenden an seinen Schlussfolgerungen in leicht verständlicher Sprache teilhaben lässt. Er überwindet zudem durch praxisnahe Beispiele und Schilderungen privater Erlebnisse die Distanz zu rein faktenbasierten Erkenntnissen, sensibilisiert die Leserschaft, hinter den Vorhang zu schauen und motiviert, aktiv nach- und mitzudenken.</p>
      </sec>
      <sec id="Sec3">
         <label>3</label>
         <title>Ausblick</title>
         <p>Der Stand des Buches von Christian Uhle ist der des Sommers 2024. Heute, Ende 2025, entwickeln sich die mit KI zusammenhängenden Technologien schon derart schnell, dass so manches vom Autor Antizipierte inzwischen Realität geworden ist oder sich überlebt hat. Nichtdestotrotz hat das Buch eine wesentlich längere Haltbarkeit als die einzelnen Tools oder Sprachmodellversionen, da es vor allem die hinter den Versprechen liegenden Bedürfnisse und ihre Erfüllung durch immer komplexere und nun auch ‚intelligente‘ Technik behandelt. „Gerade weil die Entwicklung so rasant verläuft, ist es wichtig, innezuhalten und sich Zeit zu nehmen, über all das nachzudenken“ (S. 270), so Uhle. Nicht das übereilte Installieren von Technologien und technologiebasierten Lösungen soll im Vordergrund stehen. Vielmehr plädiert Uhle dafür, dass „[d]ie technikbegeisterte Frage, was möglich ist, [...] nicht die Fragen übertönen [darf], was wir mit diesen Möglichkeiten anfangen wollen“ (S. 271). Der Autor macht deutlich, dass das, was wir mit KI machen und machen wollen, einen Einfluss auf die Akzeptanz der Technologie haben kann. Und vielleicht tragen wir selbst etwas dazu bei, dass sich nicht der von Uhle zitierte Kommentar der Science-Fiction-Autorin, Joanna Maciejewska bewahrheitet: „Weißt du, was das größte Problem daran ist, alles auf KI zu setzen? Die falsche Richtung. Ich möchte, dass KI meine Wäsche wäscht und mein Geschirr spült, damit ich Kunst schaffen und schreiben kann – und nicht, dass die KI meine Kunst macht und für mich schreibt, damit ich meine Wäsche waschen und mein Geschirr spülen kann“ (S. 274). ‚Künstliche Inteligenz und echtes Leben‘ macht deutlich, dass Menschen einerseits erfindungsreich sind, andererseits auch sehr bequem. Sie entscheiden noch immer selbst, welchem Drang sie nachgeben wollen und so macht Uhle Mut, dass wir trotz übermächtiger Konzerne und Algorithmen etwas Autonomie erhalten oder zurückgewinnen können.</p>
      </sec>
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         <title>Literatur</title>
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