Editorial

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TATuP (2021) Bd. 30 Nr. 2, S. 3, https://doi.org/10.14512/tatup.30.2.3

Zwischen den Mäandern der Pandemiebekämpfung fühlt sich der begonnene Bundestagswahlkampf fast wie eine intellektuelle Verschnaufpause an, die uns als Gesellschaft dazu einlädt, über Infektionszahlen und Impfquoten hinaus unsere möglichen Zukünfte zu reflektieren.

Natürlich wird sich das Virus in den Wahlkampf einladen. Es müssen Lehren aus der Pandemie für die Risikovorsorge und Krisenbewältigung gezogen werden. Die offenen Wunden der Coronapandemie werden in manchen Wahlprogrammen zum Anlass genommen, den Einsatz von Robotik in der Pflege, Telemedizin oder die elektronische Patientenakte zu thematisieren. Es zeichnet sich jedoch deutlich ab, dass die Digitalisierung und der Klimawandel den Löwenanteil der Diskussionen übernehmen dürften. Von Links bis Rechts geht es um Cybersicherheit, digitale Bildungschancen aber auch um digitale Innovationen als Wundermittel zur Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs und für vernetzte Mobilitätsangebote. Werkzeuge, die einst teilweise verteufelt wurden, wirken inzwischen wie der mit einem Handgriff zu erreichende heilige Gral. Utopie oder Rettungsanker? Dazwischen die Fakten.

Vielleicht lassen sich auch Biologie und Genomik durch die Hintertür erblicken? Spannend sind ethische Debatten um wissenschaftliche Durchbrüche in der Biologie, z. B. Next Generation Sequencing und der Umgang mit Geschäftsmodellen, die daraus entstehen. Unter anderem versprechen diese mit Hilfe von DNA-Tests für Abstammung eine Reise in die eigene Vergangenheit und können dabei Identitäten neu auswürfeln.

Auch wenn es sich während der Pandemie nicht immer so anfühlt, macht der Wahlkampf deutlich, wie unabdingbar die Technikfolgenabschätzung ist! Es gilt also, (noch ein kleines bisschen durchzuhalten, und) wichtige Themen an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Technologie zu beleuchten, mit wertvollen wissenschaftlichen Beiträgen zu bereichern und so mit kleinen Schritten an einer gemeinsamen Zukunft zu werkeln.

Pauline Riousset

Dr. Pauline Riousset

Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Berlin, DE
(pauline.riousset@kit.edu)