Netzwerk TA

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Kurzbericht – Jahrestreffen 2012

Das Jahrestreffen des Netzwerks Technikfolgenabschätzung (NTA) fand unmittelbar vor der NTA5-Konferenz am 29. Oktober 2012 im Zentrum Paul Klee in Bern statt (s. auch Konferenzberichte in diesem Heft). Neben den turnusmäßigen Berichten des Koordinationsteams und der Arbeitsgruppen IuK sowie Governance wurden zwei weitere Berichtspunkte behandelt: Zum einen der Stand der Forschung im EU-Projekt PACITA (http://www.pacitaproject.eu/) mit einem Schwerpunkt auf der darin entwickelten TA-Plattform und zum anderen ein neues DFG-Projekt mit dem Titel „Kooperativer Aufbau eines Fachportals Technikfolgenabschätzung auf Basis dezentraler Informationsressourcen“ (kurz: „Fachportal TA“), das ebenfalls eine TA-Plattform entwickeln möchte und in dem die institutionellen Mitglieder des NTA eingebunden sind. (Kurzbericht siehe unten). Das Jahrestreffen wurde mit einer offenen Diskussionsrunde abgeschlossen, wobei u. a. darauf hingewiesen wurde, dass das NTA sich für die Gründung eines internationalen TA-Netzwerks einsetzen sollte. (Ein Aspekt, der auch beim 7. PACITA-Konsortiumsmeeting im November in Karlsruhe angeregt wurde!) Des Weiteren wurden die Vorschläge gemacht, sich in einer eigenen AG methodisch mit partizipativen Verfahren auseinanderzusetzen sowie das Jahrestreffen 2013 in Zusammenhang mit dem Abschlusstreffen des NTA-Doktorandennetzwerks TRANSDISS durchzuführen.

(Michael Decker)

 

 

Auftaktworkshop zum neuen Projekt „Fachportal TA“ in Bern durchgeführt

Im unmittelbarem Anschluss an die 5. wissenschaftliche Tagung des NTA (NTA5) in Bern fand der Auftaktworkshop zum DFG-geförderten Projekt „Fachportal TA“ statt. Mit mehr als 30 Teilnehmern aus 20 Instituten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte der Workshop ein erfreulich großes Interesse gefunden. Unter den Teilnehmern fanden sich eine Reihe von Personen, die in ihren Institutionen für das eigene Webangebot verantwortlich sind. Das im Oktober dieses Jahres begonnene, zweijährige Vorhaben wird unter der Federführung von ITAS in enger Zusammenarbeit mit der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und dem Institut für Angewandte Informatik (IAI) des KIT durchgeführt.

Nach einer Begrüßung der Teilnehmer durch Armin Grunwald, Leiter des ITAS, stellte Projektkoordinator Ulrich Riehm (ITAS) seinen Beitrag unter das Motto „OpenTA“: „Open“ stehe dabei a) für die Förderung von Open-Access-Publikationskonzepten und die Integration von Open-Access-Publikationen in das Angebot des Fachportals, b) für den freien Zugriff auf das TA-Informationsangebot im Sinne von Open Data, c) für Open Innovation durch die Beteiligung der gesamten interessierten TA-Community am Entwicklungsprozess sowie d) für die Nutzung freier Software und die Veröffentlichung eigener Softwarelösungen zur Nachnutzung im Sinne von Open Source.

Frank Scholze, Direktor der KIT-Bibliothek und Partner im Projekt, ergänzte in seinem Beitrag die wachsende Bedeutung von Open Access-Publikationen in der Wissenschaft und die auch für das Fachportal TA zu verfolgenden Ansätze der Vernetzung von OA-Repositorien und Publikationskatalogen. Darüber hinaus ging er auf die aktuellen Entwicklungen zu „Resource Discovery Systems“ (RDS) ein, die mit einem deutlich erweiterten Funktions- und Informationsangebot klassische Bibliothekskataloge ergänzen.

Als Vertreter des dritten KIT-Partners, dem IAI, erläuterte Clemens Düpmeier einige Aspekte des grundlegenden technologischen Konzepts für das Fachportal. Das Fachportal ist auf die Ressourcen der NTA-Mitglieder und der gesamten TA-Community angewiesen. Für den Dateninput soll durch die Nutzung standardisierter Formate und Schnittstellen alles vermieden werden, was zu einem portalspezifischen Aufwand für die Datenbereitstellung führen würde. Als Output sollen aggregierte Informationen als Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden, die wiederum in eigene Webangebote einbettbar sind. Clemens Düpmeier erläuterte dieses Grundprinzip u. a. am Beispiel eines TA-Nachrichtendienstes und eines TA-Kalenders.

In zwei weiteren Beiträgen wurden Erfahrungen aus anderen Fachportal-Projekten eingebracht. Michael Nentwich, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung (ITA) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, berichtete über den Portal-Teil des vierjährigen, europäischen PACITA-Projekts (Parliaments and Civil Society in Technology Assessment). Das europäische TA-Portal ist kürzlich online gegangen und enthält Daten zu europäischen TA-Institutionen, TA-Experten, TA-Projekten und TA-Publikationen (http://technology-assessment.info/). Die Daten für das Portal werden von den Institutionen, die Daten bereitstellen, in einem speziellen PACITA-Format aufbereitet und dann vom Portal regelmäßig „geharvestet“. Darüber hinaus strebt PACITA u. a. einen TA-OA-Publikationsserver sowie einen TA-Kalender an, Aktivitäten, für die Michael Nentwich sich eine Kooperation mit dem Fachportal TA gut vorstellen könnte.

Udo Riege, kommissarischer Leiter der Abteilung Fachinformation des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften (GESIS), konnte mit „Lessons learnt“ vom Aufbau und der Nutzung wissenschaftlicher Fachportale aus langjähriger Erfahrung als Datenbankproduzent und -anbieter berichten. So wies er u. a. auf den großen Personalaufwand hin, der bei der Pflege hochwertiger Daten und der Aktualisierung der Funktionen eines Portals entsteht. Ein gewisser Anteil „tagesaktueller“ Nachrichten, etwa ein Kalender, sei für die Attraktivität eines Portals unbedingt erforderlich. Differenzierte Suchfacetten oder der Export von Suchergebnissen in eigene Literaturverwaltungssoftware würden sehr selten genutzt, sind aber trotzdem wichtige Spezialfunktionen, auf die nicht verzichtet werden sollte.

Diskutiert wurde u. a. der zu erwartende Aufwand für die Aufbereitung der Daten, die Frage nach den Adressaten des Fachportals TA, das Verhältnis zu sozialen (Wissenschaftler-)Netzwerken und die Sichtbarkeit der Daten bereitstellenden Institute auf dem Portal.

Wichtig ist vielleicht die von einem Teilnehmer formulierte Hoffnung: Der durch das Projekt von außen ausgelöste „Innovationsdruck“ könnte bei den kooperierenden Institutionen zu einer Modernisierung der eigenen Internetangebote beitragen. Entscheidend wird aber letztlich die Attraktivität und Qualität des Angebots sowohl in technisch-funktionaler als auch in inhaltlicher Sicht sein. In diesem Sinne kann der Workshop in Bern Ausgangspunkt für die Verwirklichung eines anspruchsvollen Konzeptes sein.

(Ulrich Riehm)

 

 

Das Netzwerk TA

Das Netzwerk TA ist ein Zusammenschluss von WissenschafterInnen und ExpertInnen im Themenfeld „Technikfolgenabschätzung“. Das Netzwerk dient dem Ziel, Informationen auszutauschen, gemeinsame Forschungs- und Beratungsaufgaben zu identifizieren, methodische Entwicklungen zu initiieren und zu begleiten sowie den Stellenwert der TA in Wissenschaft und Gesellschaft auszubauen. Gleichzeitig dient das Netzwerk als Plattform für gemeinsame Kooperationen und Aktionen. Die Adresse des „Netzwerk TA“ im Web lautet http://www.netzwerk-ta.net.

Kontakt

Prof. Dr. Michael Decker
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Karlstraße 11, 76133 Karlsruhe
Tel.: +49 721 608-23007
E-Mail: michael.decker∂kit.edu