Technikgestaltung zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Interdisziplinäre Annäherungen

Tagungsankündigungen

Workshop im Rahmen der SEL-Stiftungsprofessur für interdisziplinäre Studien Technikgestaltung zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Interdisziplinäre Annäherungen

Technische Universität Darmstadt, 24.-25. Oktober 2002

Inhalt und Zielsetzung

Der Begriff der Technikgestaltung drückt die Erwartung aus, dass wir nicht einer Eigendynamik der Technik oder einer "blinden Evolution" ausgeliefert sind, sondern dass wir Technik nach Maßgabe von Zielen und Werten aktiv und bewusst gestalten können. Seit den neunziger Jahren wird verstärkt danach gefragt, ob und inwieweit Technik und die entsprechende Forschung an gesellschaftlichen Bedürfnissen und Zielen ausgerichtet werden können. Zurzeit besteht die Anforderung vor allem darin, Technik im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit zu gestalten bzw. dafür die Voraussetzungen zu schaffen.

Wie politik- und sozialwissenschaftliche Forschung gezeigt haben, stellen sich jedoch ganz erhebliche Probleme: hinsichtlich der Verfügbarkeit des notwendigen Wissens, hinsichtlich einer einvernehmlichen Bewertungsbasis und hinsichtlich der praktischen Umsetzung. Ein "Gestaltungsoptimismus" ist nicht angebracht. Der entgegengesetzte "Gestaltungspessimismus" hat aber seine Grenze darin, dass in der Praxis Gestaltungsprozesse stattfinden: in den technischen Labors, in der Gesetzgebung, in den Vorstandsetagen der Industrie oder auch beim Kauf technischer Geräte.

In dieser Situation besteht das Ziel der Tagung darin, die Möglichkeiten von Technikgestaltung in einer interdisziplinären Perspektive zu beleuchten. Schon der Begriff der Technikgestaltung selbst ist in sich nicht klar definiert. Ingenieure verstehen etwas anderes darunter als Politiker, Manager etwas anderes als Sozialwissenschaftler. Durch das Zusammenbringen von verschiedenen Disziplinen, die jeweils verschiedene Aspekte der Technikgestaltung bearbeiten, sollen gegenseitige Lerneffekte ermöglicht und die Bedingungen für interdisziplinäre Kooperation verbessert werden. Darüber hinaus soll das Ergebnis ein besseres Verständnis dessen sein, was Technikgestaltung bedeuten kann, wie Technikgestaltung historisch einzuordnen ist, ob und wie gesellschaftliche Technikgestaltung erfolgen kann und auf welche Weise und unter welchen Bedingungen eine Technikgestaltung für mehr Nachhaltigkeit möglich ist.

Struktur

Das wissenschaftliche Programm des Workshops ist in drei Sektionen, einem Abendvortrag und die Podiumsdiskussion am Schluss gegliedert.

Sektion 1:
Technikgestaltung - Facetten eines Begriffs
Im Begriff der Technikgestaltung kann nach ganz verschiedenen Aspekten gefragt werden: nach den Gestaltungszielen, den Gestaltungsmitteln, den Nebenfolgen, der Gestaltbarkeit von Technik, nach den einer Gestaltung im Wege stehenden Hemmnissen, nach den konzeptionellen und methodischen Problemen aktiver Gestaltung und nach den gestaltenden Akteuren und ihrer Legitimation. In den Vorträgen werden diese Aspekte analytisch untersucht, um den Horizont des Begriffs "Technikgestaltung" abzustecken.
Sektion 2:
Technikkonstruktion als Gestaltung - historische Perspektive
In der Technikgeschichte lassen sich verschiedene Hinweise auf den Umgang mit Technikgestaltung finden. Das betrifft sowohl konkrete Fallbeispiele als auch gesellschaftliche Haltungen gegenüber der Herausforderung der Technikgestaltung und der Einschätzung ihrer Möglichkeiten und Grenzen. In den Vorträgen wird dies aus Sicht der technikgeschichtlichen und der Technikgeneseforschung thematisiert.
Sektion 3:
Gesellschaftliche Technikgestaltung
Der Begriff der Technikgestaltung wird häufig für das "social shaping of technology" verwendet. Dabei geht es um die Möglichkeiten, aus einer gesellschaftlichen Perspektive die Technikentwicklung in bestimmte gewünschte Richtungen lenken zu können und zu definieren, was "gewünscht" heißen soll. Im Zuge der Abkehr von einer staatlichen Techniksteuerung werden neue Konzepte gesellschaftlicher Technikgestaltung diskutiert. Es wird in dieser Sektion gefragt, welche Gestaltungsmodelle diesen Ansätzen zugrunde liegen und welche Probleme sich stellen.
Podiumsdiskussion:
Technikgestaltung für Nachhaltigkeit?
Im Zentrum der Diskussion um Technikgestaltung steht zurzeit die Frage, ob und inwieweit es möglich ist, durch gezielte Technikentwicklung die gesellschaftliche Umsteuerung hin zu mehr Nachhaltigkeit wesentlich zu unterstützen. In der Frage nach einer Technikgestaltung für Nachhaltigkeit kulminieren die Anforderungen an Technikgestaltung genauso wie die sich stellenden Probleme. Das Projekt einer "nachhaltigen Technikgestaltung" weist eine Vielzahl ungelöster konzeptioneller und methodischer Probleme auf, zu denen Lösungsmöglichkeiten auf dem Podium und mit dem Auditorium diskutiert werden sollen.

Organisation

Die Tagung wird im Gästehaus der TU Darmstadt, 64287 Darmstadt, Dieburger Straße 241, stattfinden. Alle Veranstaltungen werden als Plenarsektionen abgehalten.

Veranstalter ist der gegenwärtige Inhaber der SEL-Stiftungsprofessur für interdisziplinäre Studien an der TU Darmstadt, Prof. Dr. Armin Grunwald
( http://www.itas.fzk.de/mahp/grunwald/grunwald.htm ), in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung an der TU Darmstadt (ZIT).

Das Programm des Workshops ist auf der Homepage des ZIT zu finden
( http://www.zit.tu-darmstadt.de/) oder kann über die untenstehende Adresse angefordert werden.

Kontaktadresse und Anmeldung

Dr. Gerhard Stärk
TU Darmstadt
Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung (ZIT)
Hochschulstraße 1
64289 Darmstadt
Tel.: +49 (0) 61 51 / 16 30 65
E-Mail: StaerkUac0∂zit tu-darmstadt de