Buchpublikationen im Projekt "Zukunftsfähigkeit"

ITAS-News

Buchpublikationen im Projekt "Zukunftsfähigkeit"

Im Rahmen des HGF-Verbundprojektes "Global zukunftsfähige Entwicklung - Perspektiven für Deutschland" wurde eine Schriftenreihe gleichen Namens beim Verlag edition sigma, Berlin, eingerichtet. Sie macht die Ergebnisse dieser langfristig angelegten Forschungstätigkeit Interessenten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit zugänglich und bildet ein Forum zur weiteren, durch Forschung unterstützten gesellschaftlichen Verständigung über nachhaltige Entwicklung. Die ersten beiden Bände erscheinen im Oktober dieses Jahres: 

Band 1: Jürgen Kopfmüller, Volker Brandl, Juliane Jörissen, Michael Paetau, Gerhard Banse, Reinhard Coenen, Armin Grunwald:
Nachhaltige Entwicklung integrativ betrachtet. Konstitutive Elemente, Regeln, Indikatoren. Berlin: edition sigma, ca. 420 Seiten

In diesem Buch wird das im Rahmen des HGF-Projektes erarbeitete integrative Konzept der Nachhaltigkeit entfaltet und zur Diskussion gestellt. Die Entfaltung des integrativen Ansatzes basiert auf einer Analyse und kritischen Bewertung des bisher erreichten Stands der Debatte zum Leitbild der nachhaltigen Entwicklung und seiner Operationalisierung, sowohl im Blick auf die einzelnen Nachhaltigkeitsdimensionen als auch auf Ansätze zu ihrer Integration. Besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie die einzelnen Nachhaltigkeitsdimensionen für sich und vor allem auch in ihren Wechselbeziehungen beschrieben und analysiert werden, weil dies als Basis für die Formulierung von Nachhaltigkeitsregeln erforderlich ist.

Im Zentrum steht die Beschreibung des integrativen Konzepts nachhaltiger Entwicklung, das eine universelle, d. h. weitestgehend kontextunabhängige Bedeutung haben soll (Kap. 4). Es geht von der gleichrangigen Betrachtung inter- und intragenerativer Gerechtigkeit aus: die Rechte nachfolgender Generationen und die Rechte der heute Lebenden in den verschieden entwickelten Gebieten der Erde müssen in Einklang gebracht werden. Der Unteilbarkeit des Gerechtigkeitsprinzips auf dieser allgemeinen Ebene entspricht die Notwendigkeit einer integrativen Betrachtung der ökologischen, ökonomischen, sozialen und auch institutionell-politischen Dimension von Nachhaltigkeit. Es werden inter- und intragenerative Gerechtigkeit, Globalität und Anthropozentrik als die konstitutiven Elemente nachhaltiger Entwicklung herausgearbeitet und, darauf aufbauend, werden generelle Nachhaltigkeitsziele formuliert. Sodann werden in Form von allgemeinen Handlungsleitlinien bzw. "Regeln" die Bedingungen präzisiert, die weltweit mindestens erfüllt sein müssten, damit die Realisierung dieser Ziele nicht gefährdet wird.

Dieses Regelsystem wird dann durch Indikatoren operationalisiert, die sich auf Deutschland bzw. vergleichbare Industriestaaten beziehen sollen. Durch deren Erfassung können gegenwärtige Zustände und Entwicklungen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten beurteilt werden und deren Beeinflussung im Hinblick auf vereinbarte Nachhaltigkeitsziele als orientierend für die Erarbeitung von Strategien genutzt werden. Abschließend wird in Form eines reflektierenden Epilogs nach den Lernmöglichkeiten und Lernnotwendigkeiten gefragt, die durch das vorgeschlagene Konzept angesichts der Ungewissheit und Unvollständigkeit des Wissens und der Vorläufigkeit von Bewertungen nahegelegt, ermöglicht oder verpflichtend werden. 

Band 2: Armin Grunwald, Reinhard Coenen, Joachim Nitsch, Achim Sydow, Peter Wiedemann (Hrsg.):
Forschungswerkstatt Nachhaltigkeit. Wege zur Diagnose und Therapie von Nachhaltigkeitsdefiziten. Berlin: edition sigma, ca. 400 Seiten

Ziel dieses Buches ist es, das komplexe Instrumentarium vorzustellen, das im Rahmen dieses Projekts zur Beantwortung der Fragen nach einer nachvollziehbaren, transparenten und umsetzbaren Operationalisierung von Nachhaltigkeit entwickelt wurde. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie es mit der Nachhaltigkeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bedürfnis- bzw. Aktivitätsfeldern (Mobilität und Verkehr, Wohnen und Bauen, Ernährung und Landwirtschaft, Freizeit und Tourismus) bestellt ist und auf welche Weise das Leitbild der Nachhaltigkeit dort und für spezifische Technologieentwicklungen operationalisiert werden kann.

Das Buch gliedert sich in fünf Teile.

Teil I ist der Darstellung des wissenschaftlichen und politischen Ausgangspunktes der eigenen Untersuchungen gewidmet. Diese Ausführungen bilden den Hintergrund der weiteren Kapitel und beschreiben den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Konzeptualisierungen von Nachhaltigkeit und der politischen Implementationsansätze.

Im Teil II werden die eigens entwickelten bzw. an die Zwecke des Projektes angepassten konzeptionellen und methodischen Elemente zum einen je für sich vorgestellt; zum anderen wird ihr innerer Zusammenhang und ihr Zusammenwirken als Teile eines Ganzen deutlich gemacht.

Dies umfasst 

Teil III ist substantiellen Analysen in verschiedenen gesellschaftlichen Aktivitätsfeldern unter Verwendung der eingeführten Projektmethodik gewidmet, um einerseits die Arbeitsweise der entwickelten Konzeption zu demonstrieren und um andererseits erste inhaltliche Ergebnisse vorzulegen, vor allem im Hinblick auf Bestandsaufnahmen und die Identifizierung von bestehenden und absehbaren Nachhaltigkeitsdefiziten.

In Teil IV wird das Konzept der Schlüsseltechnologieanalysen unter Nachhaltigkeitsaspekten vorgestellt. Dabei stehen in den "emerging technologies" Bio- und Gentechnik sowie Nanotechnologie und Mikrosystemtechnik methodische Bewertungsfragen im Vordergrund, während in der Informations- und Kommunikationstechnologie bereits exemplarisch empiriegestützte Analysen möglich sind. Für das Feld der Regenerativen Energie werden die Ergebnisse der Anwendung der Projektmethodik umfassend dargestellt. Schließlich wird der Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Risiken großtechnischer Anlagen erläutert.

Im letzten Teil V werden schließlich Konkretisierungen für Nachhaltigkeitsprobleme auf regionaler Ebene vorgestellt. Durch modellgestützte Real World-Simulationen wird ein Tool entwickelt, das für interaktive Nachhaltigkeitsreflexionen verwendet werden kann und das auf den Ballungsraum Berlin bezogen wird. Demgegenüber steht in einem Ansatz integrativer Landschaftsbewertung und -optimierung unter Nachhaltigkeitsaspekten die Landnutzung in ländlichen Räumen im Vordergrund.

Auf diese Weise wird in transparenter Weise erkennbar, wie die hier gegebenen ersten Antworten in Bezug auf eine integrative Operationalisierung des Nachhaltigkeitsleitbildes zustande gekommen sind und wie sie wissenschaftlich begründet werden können. Dies stellt eine unabdingbare Voraussetzung dafür dar, dass sie im wissenschaftlichen Diskurs anerkannt werden und im politisch-gesellschaftlichen Prozess der Verständigung über Nachhaltigkeit eine Chance auf Wahrnehmung und Umsetzung haben.

Kontakt

Prof. Dr. Armin Grunwald
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Karlstr. 11, 76133 Karlsruhe
Tel.: +49 721 608-22500
E-Mail: armin.grunwald∂kit.edu