ORBIT 2001 - Biological processing of waste: a product-oriented perspective (Konferenzbericht)

Veranstaltungen

ORBIT 2001 Biological Processing of Waste: a product-oriented Perspective

Sevilla, Spanien, 9. - 12. Mai 2001

Konferenzbericht von Ludwig Leible und Andreas Arlt, ITAS

Vorbemerkungen

ORBIT ist eine im Abstand von zwei Jahren durchgeführte Serie von Konferenzen zum Themenbereich der biologischen Behandlung von Abfällen. Sie hat zum Ziel, als internationale Plattform für den Informationsaustausch - nicht nur auf europäischer Ebene - zu dienen und ist somit die Antwort auf die enorme Bedeutung, die der Umgang mit organischen Abfällen in den letzten Jahren erlangt hat.

Die diesjährige Konferenz in Sevilla wurde veranstaltet vom Spanish Waste Club und der ORBIT Association. ITAS war mit zwei Vorträgen zum Stand und den Potenzialen der energetischen Nutzung von organischen Abfällen in Deutschland und zur Aufbereitung von Klärschlamm für energetische Zwecke vertreten.

Schwerpunkte der Konferenz

Da die technischen Erfordernisse bei der Behandlung der organischen Abfälle zunehmend gelöst sind, war es die Zielsetzung dieser Konferenz, den Schwerpunkt auf die resultierenden Produkte (Kompost, Bioenergieträger u. a.) aus den biologischen Behandlungsverfahren zu legen.

Gemessen an den einzelnen Beiträgen, lag der Schwerpunkt eindeutig (einseitig) auf der Produktion von Kompost und den Aspekten zu dessen Qualität und Verwertung. Dies dürfte rd. 80 % der Beiträge ausgemacht haben.

Die Ausführungen hierzu reichten von der technischen Optimierung der Kompostierungsverfahren, Untersuchungen und Modellierungen zu biochemischen Abbauprozessen, Analysen zu den Nährstoff- und Schadstoffgehalten in Abfällen und Komposten bis hin zu der Ertragswirksamkeit von Kompostgaben bei unterschiedlichen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturpflanzen.

Demgegenüber kam die energetische Behandlung und Verwertung von organischen Abfällen, gemessen an der Anzahl der Beiträge, deutlich zu kurz. Hier müsste in Zukunft eine offensivere und deutlichere Auseinandersetzung mit den Chancen der energetischen Nutzung von Abfällen im Zusammenhang mit den zukünftigen ORBIT-Konferenzen stattfinden. Gerade unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit - den sich die Veranstalter dieser Konferenz-Serie auf die Fahnen geschrieben haben - ist es angeraten, den Wettbewerb zwischen den stofflichen und energetischen Verwertungswegen anzuregen, um hieraus den jeweils "besten" Weg für eine nachhaltige Abfallverwertung zu finden.

Erkennbare Entwicklungen

Die Konferenz vermittelte den Eindruck, dass in den südlichen Ländern der EU (einschließlich Frankreich) die Kompostierung ähnlich intensiv diskutiert und zur Einführung gebracht wird bzw. werden soll, wie dies in Deutschland vor ca. 5 - 7 Jahren der Fall war. Die stoffliche Nutzung organischer Abfälle wird hier eindeutig in den Vordergrund gestellt. Dies betrifft insbesondere auch die Präferierung der stofflichen Verwertung von Klärschlämmen in der Landwirtschaft.

In Deutschland ist in den letzten 2 - 3 Jahren zunehmend eine gegenläufige Tendenz festzustellen. Hier scheint die Kompostierung ihren Höhepunkt erreicht, wenn nicht sogar überschritten zu haben, gemessen an den neu gebauten Anlagen und den erkennbaren zunehmenden Absatzschwierigkeiten beim Kompost. Bei der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm wird derzeit sogar von einigen Bundesländern ein generelles Verbot erwogen. Diese Tendenzen wurden von den deutschen Vertretern im Organisationskomitee von ORBIT in der Weise bemängelt, dass sie diese Entwicklung in Deutschland, hin zu einer stärkeren energetischen Behandlung und Verwertung von organischen Abfällen, nicht verstehen könnten.

Vor dem Hintergrund dieser gegenläufigen Entwicklungen drängt sich natürlich die Frage auf, weshalb sich die südlichen Länder nicht kritischer mit den Risiken auseinander setzen, die in der stofflichen Verwertung von organischen Abfällen liegen können.

Kurzfristig mag die stoffliche Verwertung von organischen Abfällen in Form von Kompost oder Klärschlamm betriebswirtschaftlich interessant - da kostengünstig - erscheinen. Mittel- und längerfristig dürfte aber in nicht wenigen Fällen eine Neubewertung fällig sein, wenn erkennbar wird, welche negativen Auswirkungen für die Umwelt oder hinsichtlich der Akzeptanz in der Bevölkerung damit einhergehen können.

Kontakt

Dr. Ludwig Leible
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Karlstr. 11, 76133 Karlsruhe
Tel.: +49 721 608-24869
E-Mail: ludwig leible∂kit edu