ITAS News

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Neue Projekte

MOVEMENZ – Projekt zur bedarfsorientierten Technikgestaltung

Damit sich Menschen mit Demenz möglichst uneingeschränkt und entsprechend ihren Bedürfnissen bewegen können, bedarf es bestimmter infrastruktureller Voraussetzungen und konzeptioneller Vorgaben. Gegenstand des Projekts MOVEMENZ ist es, ein Pflichtenheft für mobil nutzbare Technologien zu entwickeln, die diese Voraussetzungen erfüllen. Im sog. „Vorprojekt“ werden die Bedarfe potenzieller Anwender an eine technische Unterstützung erhoben, d.h. die Bedürfnisse der relevanten Akteure im Pflegearrangement (Menschen mit Demenz, Angehörige, professionell Pflegende, Dienstleister etc.) sowie im Quartier (Ladenbesitzer etc.) werden berücksichtigt. Die empirische Bedarfsanalyse leitet aus diesen unterschiedlichen Erwartungshaltungen den Bedarf für ein technisches Hilfsmittel und eine soziale Intervention ab, welche möglichst vielen Ansprüchen der Akteure gerecht werden. Dieser Analyseschritt wird von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe im Sinne einer entwicklungsbegleitenden Technikfolgenbeurteilung flankiert. Bei seinen Arbeiten wird ITAS von der Evangelischen Heimstiftung unterstützt, die ihren großen Erfahrungsschatz in der Pflege von Menschen mit Demenz einbringt und den Zugang zu Pflegeheimen sicherstellt.

Ziel ist es, neben den technischen auch rechtliche Aspekte (z. B. wer haftet für mögliche Schäden, die bei der Nutzung des technischen Hilfsmittels entstehen?), ökonomische Aspekte (z. B. wie stellt sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis der technischen und sozialen Innovation dar?) sowie ethisch-soziale Aspekte zu berücksichtigen. Diese ethisch-sozialen Aspekte fragen nach den Bereichen, in denen die Technik eingesetzt werden soll und welche Ersetzungsverhältnisse dabei berücksichtigt werden müssen. Bei dieser entwicklungsbegleitenden TA wird ITAS von einer multidisziplinären, multiperspektivischen Expertengruppe unterstützt, die Empfehlungen für das Projekt und für die regionale Praxis formuliert und somit auch die Anschlussfähigkeit der Forschungsarbeiten gewährleistet.

Kontakt: Prof. Dr. Michael Decker, ITAS (michael.decker∂kit.edu)

Technikkompatibilität von Netzwerken in der ambulanten Pflege

Ohne ein dichtes Netzwerk zur Unterstützung ist verantwortungsvolle Pflege nicht zu leisten. In einem Start-Up-Projekt untersucht ITAS gemeinsam mit dem Diakoniewissenschaftlichen Institut der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg die Kooperationszusammenhänge in diesen Pflegenetzwerken und fragt, ob technische Unterstützung sinnvoll ist und wie diese aussehen kann.

Vor dem Hintergrund aktueller Prognosen zum demografischen Wandel und einer Zunahme bei der Anzahl der Menschen mit Demenz wird die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Ansätze, mit diesen Herausforderungen umzugehen, sind zum einen die Tendenz zu Netzwerkbildung in der ambulanten Pflege, zum anderen der Einsatz von technischen Innovationen. In diesem Projekt werden beide Lösungsansätze gemeinsam gedacht und erfolgskritische Faktoren für Netzwerkbildung und den Einsatz von innovativer Technik in der Pflege von Menschen mit Demenz identifiziert. Hieraus aufbauend werden Empfehlungen für eine individuellere Betreuung von Menschen mit Demenz entwickelt.

Kontakt: Prof. Dr. Michael Decker, ITAS (michael.decker∂kit.edu)

Energieradar Baden-württemberg

Mit dem historischen Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie im Nachgang des Unfalls in Fukushima und der Umstellung auf regenerative Energiequellen steht Deutschland vor der Herkules-Aufgabe, eine Reduktion der fossilen Energieversorgung von heute rund 80 Prozent des nationalen Primärenergieverbrauchs auf unter 20 Prozent bis zum Jahre 2050 herbeizuführen. Diese Aufgabe zu stemmen, ohne dass Quantität und Qualität der Energiedienstleistungen nennenswert leiden, ist eine große Herausforderung, die natürlich mit Folgen verbunden ist, v. a. im sozialen und politischen Kontext.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, führt ein Projekt-Konsortium aus ITAS, Öko-Institut e.V. und Lucia Reisch (Copenhagen Business School und Zeppelin Universität Friedrichshafen) unter Leitung von DIALOGIK Stuttgart folgende Aufgaben durch: Bestandsaufnahme der Aktivitäten zur Energieforschung, die für die Umsetzung der Energiewende relevante Ergebnisse verspricht, v. a. im Hinblick auf die Energieziele des Landes Baden-Württemberg; qualitative empirische Unterfütterung dieser Ergebnisse; Bewertung der eingehenden Informationen im Hinblick auf Potenziale, Stärken und Schwächen in der Umsetzbarkeit der verschiedenen Forschungsprojekte und -programme für die Transformationsprozesse im Rahmen der Energiewende; Workshop mit den Schlüsselakteuren aus Ministerien, Wissenschaftsorganisationen und anderen wichtigen Akteuren der Energieforschung in Baden-Württemberg.

Ziel ist, den aus der Analyse abzuleitenden Handlungsbedarf und dessen Realisierungsmöglichkeiten abzuschätzen, Potenziale für Fördermöglichkeiten innerhalb und außerhalb von Baden-Württemberg zu eruieren, Maßnahmen des Landes zur Überwindung identifizierter Defizite zu entwerfen und Empfehlungen an die Wissenschafts-und Energiepolitik des Landes zu formulieren.

Kontakt: Dr. Volker Stelzer, ITAS (volker.stelzer∂kit.edu)

Responsible Industry

Im Rahmen des Projekts „Responsible Industry“ soll ein Muster-Implementierungsplan für verantwortungsvolle Forschung und Innovation (Responsible Research and Innovation, RRI) in der Industrie entwickelt werden. Dadurch soll gezeigt werden, wie die Industrie produktiv mit gesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten und Grundsätze und Methoden der RRI in Forschungs- und Innovationsprozesse integrieren kann. Um die größtmögliche Wirkung auch genau dort zu erzielen, wo sie am dringendsten benötigt wird, wird der Implementierungsplan auf die großen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, demografischer Wandel und Wohlbefinden abzielen. Das Projekt konzentriert sich insbesondere auf die Rolle, die Forschung und Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik bei der Bewältigung dieser Herausforderung spielen kann.

„Responsible Industry“ wird interaktive Diskussionen zwischen führenden Partnern aus der Industrie, angesehenen RRI-Experten, Politikberatern und gesellschaftlichen Organisationen leiten, um die Forschungs- und Innovationsprozesse gemäß den Prinzipien von RRI zu lenken. Das Projekt wird von der Europäischen Union (FP7) gefördert. Koordinator des Projektes ist die De Montfort University in Großbritannien. Beteiligt sind neben dem Karlsruher Institut für Technologie sieben weitere europäische Partner. Weitere Informationen unter http://www.responsible-industry.eu.

Kontakt: Dr. Miltos Ladikas, ITAS (miltos.ladikas∂kit.edu)

 

Personalia

PD Dr. Stefan Böschen und Dr. Stefanie Seitz sind zu ordentlichen Mitgliedern der „BfR-Kommission für Risikoforschung und Risikowahrnehmung“ für die Sitzungsperiode 2014 bis 2017 ernannt worden. Die Kommission berät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und insbesondere die Abteilung Risikokommunikation bei der Methodenauswahl zur Ermittlung des Informationsstandes und der subjektiven Risikowahrnehmung in den unterschiedlichen Themen-gebieten des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sowie bei der Entwicklung von Strategien der Risikokommunikation und der Begleitung von Risikokommunikationsprozessen.

Neue Kolleginnen und Kollegen

Richard Beecroft hat seit Januar 2014 die Geschäftsführung der „Karlsruher Schule der Nachhaltigkeit“ übernommen. Nach seinem Studium der Materialwissenschaft, Pädagogik und Philosophie an der TU Darmstadt hat er interdisziplinäre Lehrangebote an der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt aufgebaut und weiterentwickelt. Schwerpunkt seiner Arbeit am ITAS wird der Aufbau und die Abstimmung unterschiedlicher Lehrprogramme am KIT zur Nachhaltigen Entwicklung sein.

Claudia Lange, Diplom-Verwaltungswirtin (FH), ist seit dem Dezember 2013 für Controlling- und Personalangelegenheiten im ITAS zuständig. Sie gehört dem KIT (vormals Forschungszentrum Karlsruhe) seit 2008 an und kann auf eine langjährige Berufserfahrung auf dem Gebiet der Personalbetreuung zurückgreifen.

Simon Wiedemann ist seit Februar 2014 Mitarbeiter am ITAS. Seine Ausbildung zum Informatikkaufmann absolvierte er 2011 beim KIT Institut für Informationswirtschaft und -management. Er ist für die IT-Administration zuständig.

Dr. Gregor Wolbring ist seit Januar 2014 Mitarbeiter im ITAS. Er ist Associate Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Calgary (Canada). Sein spezielles Interesse gilt den Disability Studies, den Ability Expectation Studies sowie Fragen der Nachhaltigkeit.

Silke Zimmer ist seit Oktober 2013 Doktorandin im Forschungsbereich Innovationsprozesse und Technikfolgen. Sie studierte am KIT Europäische Kultur und Ideengeschichte mit den Schwerpunkten Neuere, Neueste und Technikgeschichte. In ihrem Promotionsprojekt „Lernen aus der Geschichte? (Technik)Geschichte für Technikfolgenabschätzung am Beispiel automobiler Assistenzsysteme“ beabsichtigt sie, Aspekte aus der Technik-, insbesondere der Mobilitätsgeschichte, sowie der Mentalitäts- und Kulturgeschichte für die Technikfolgenabschätzung nutzbar zu machen.

 

Veröffentlichungen

Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ ist der TA gewidmet

Das Schwerpunktheft „Technik, Folgen, Abschätzung“ ist unter Beteiligung von ITAS entstanden, das mit zwei Beiträgen vertreten ist. Die Zeitschrift wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben und erscheint als Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“. Mit einer Druckauflage von rund 70.000 Exemplaren erreicht sie eine breite Leserschaft.

Bibliografische Daten: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Technik, Folgen, Abschätzung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2014. Aus Politik und Zeitgeschichte; 6-7/2014; http://www.bpb.de/apuz/177757/technik-folgen-abschaetzung

Technik, Folgen, Abschätzung

Empfehlungen zur Reduktion von klimaschädlichen emissionen aus Stadtteilen erschienen

Klimaschädliche Emissionen lassen sich besonders effizient auf Stadtteilebene reduzieren, da auf dieser Ebene Maßnahmen, die über das Einzelgebäude hinausgehen, Synergien entwickeln können. Ein Beispiel hierfür ist die Errichtung von Nahwärmenetzen.

Auf der Basis der Erfahrungen, die das ITAS in dem von der EU geförderten dreijährigen Projekt CONCERTO Premium gesammelt hat, sind Empfehlungen erarbeitet worden, um die klimarelevanten Emissionen von Stadtteilen sowohl im Neubau wie im Bestand zu verringern. ITAS hat die Erfahrungen aus den 58 CONCERTO-Kommunen, aus 23 europäischen Ländern, in denen Stadteilprojekte durchgeführt wurden, gesammelt und ausgewertet. Es werden Empfehlungen für die lokale, nationale und die europäische Politik vorgelegt. Abschließend werden aus den über 80 Politikempfehlungen die 18 wichtigsten herausgearbeitet.

Bibliografische Angaben: Immendörfer, A.; Winkelmann, M.; Stelzer, V.: Energy Solutions for Smart Cities and Communities. Recommendations for Policy Makers. Brüssel: European Commission 2014; http://www.itas.kit.edu/pub/v/2014/imua14a.pdf

Energy Solutions for Smart Cities and Communities

STI-Studies 1/2014 zu „Social Robots and Artificial Companions“ erschienen

„Soziale Roboter“ und „künstliche Gefährten“ sind Etiketten für technologische Entwicklungen in einem frühen Stadium (neue und emergierende Technologien), die in einigen Fällen bereits fortgeschritten genug sind, um getestet und in spezifischen Anwendungsfeldern des täglichen Lebens verwendet zu werden. Für Sozialwissenschaftler bietet diese Forschungsrichtung und die Einführung dieser Technologien eine Fülle interessanter Fragestellungen. Ein besonders spannendes Forschungsfeld entsteht dort, wo die Interessen der Roboteringenieure und der Sozialwissenschaftler sich überlappen. Während Roboteringenieure adäquates psychologisches, soziopsychologisches und soziologisches Wissen für die Technikgestaltung nachfragen, sind einige Sozialwissenschaftler und STS-Forscher sehr daran interessiert, den Entwicklungsprozess durch ihr Wissen zu beeinflussen. Die Analyse von Versprechen und Erwartungen sind weitere legitime Optionen unter anderen, sich dem Thema zu nähern.

Das von Knud Böhle (ITAS) und Michaela Pfadenhauer (KIT Lehrstuhl für Soziologie des Wissens) herausgegebene Heft versammelt neun originelle, vor allem soziologische Beiträge zum Thema. Knud Böhle und Kolja Bopp, beide ITAS, haben ein „vision assessment“ zum Heft beigesteuert.

Bibliografische Angaben: Böhle, K.; Pfadenhauer, M. (Hg.): Of Social Robots and Artificial Companions. Contributions from the Social Sciences. Science, Technology & Innovation Studies 10(2014)1; http://www.sti-studies.de/ojs/index.php/sti