ITAS News

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Armin Grunwald in Endlager-Kommission berufen

Als eines von acht wissenschaftlichen Mitgliedern ist Prof. Dr. Armin Grunwald in die vom Deutschen Bundestag und Bundesrat eingerichtete „Endlager-Kommission“ berufen worden. Die Kommission mit dem Titel „Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ hat die Aufgabe, die Kriterien für die Auswahl eines Endlagers für wärmeentwickelnde Abfälle festzulegen. Darüber hinaus soll sie das Standortauswahlgesetz evaluieren, das die gesetzliche Grundlage für das Auswahlverfahren bildet und im Juli 2013 verabschiedet wurde. In der 33-köpfigen Kommission werden neben Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen und Gewerkschaften auch die Vertreter der Umweltverbände mit einem Stimmrecht ausgestattet sein. Die Mitglieder aus Bundestag und Bundesrat nehmen ohne Stimmrecht am Gremium teil. Der abschließende Bericht zum Standortauswahlverfahren soll möglichst im Konsens beschlossen werden.

 

Memorandum zur Entsorgung radioaktiver Reststoffe erschienen

In seinem Memorandum stellt das interdisziplinäre Verbundprojekt ENTRIA („Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe“), an dem ITAS in zentraler Rolle beteiligt ist, eine Reihe von Themen vor, die bei der Entsorgung radioaktiver Reststoffe besondere Aufmerksamkeit verdienen. Das 30-seitige Memorandum liefert einerseits Orientierungswissen zu den zentralen Herausforderungen und benennt andererseits wichtige Spannungsfelder, die bei den anstehenden Entscheidungen einer zukünftigen Entsorgungspolitik für radioaktive Reststoffe in jedem Fall zu berücksichtigen sind. Auf der Website von ENTRIA ist das Memorandum zum Download bereit gestellt: http://www.entria.de/fileadmin/entria/Dokumente/ENTRIA_Memorandum_140430.pdf.

Im ENTRIA-Sprecherteam hat es Ende April 2014 darüber hinaus einen Wechsel gegeben. Die Nachfolge von Prof. Dr. Edmund Brandt als stellvertretender Sprecher traten Dr. Peter Hocke-Bergler (ITAS) sowie PD Dr. Ulrich Smeddinck (Institut für Rechtswissenschaften der TU Braunschweig) an.

 

ITAS-Projekte ausgezeichnet

Die beiden Projekte „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ und „Karlsruher Schule der Nachhaltigkeit“ wurden für den Zeitraum 2014/2015 als offizielle Projekte der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung prämiert. Diese Auszeichnung erhalten Initiativen, die das Anliegen der weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen: Sie vermitteln Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Mit der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, diese Art des Lernens in ihren Bildungssystemen zu verankern. Die deutschen Aktivitäten in diesem Rahmen werden durch die Deutsche UNESCO-Kommission koordiniert.

Über die Auszeichnung der Bildungsprojekte entscheidet eine Jury aus Experten. Voraussetzung ist neben der klaren Ausrichtung auf Bildung für nachhaltige Entwicklung, dass die Projekte einen innovativen Charakter haben, in die Breite wirken und sich um die Zusammenarbeit mit anderen Projekten bemühen. Am 26. März 2014, dem UNESCO-Tag auf der Bildungsmesse DIDACTA, fand die Auszeichnungsfeier in Stuttgart statt. Professor Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade, der gemeinsam mit Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, die Urkunden überreichte, hob in seiner Laudatio die jeweiligen Charakteristika und die breite Palette der Adressaten der beiden Projekte hervor. Im Rahmen der „Karlsruher Schule der Nachhaltigkeit“ werden seit Anfang 2014 mehrere Bildungsprogramme für Nachhaltige Entwicklung – von der Einführung für Studienanfänger bis zu Schulungen für angehende Nachhaltigkeitsforscher – am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aus- und aufgebaut. Das Kooperationsprojekt „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ zielt darauf ab, exemplarisch ein Stadtquartier von Karlsruhe in einem offenen und langfristig angelegten Bottom-up-Prozess im Sinne Nachhaltiger Entwicklung zu transformieren. Im Zusammenwirken von Stadtgesellschaft und dem KIT wird ein Experimentierraum eröffnet, in dem neue zukunftsweisende Ideen, gesellschaftliche und technische Innovationen und Lebensentwürfe ausprobiert werden können.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Projekt-Homepages: http://www.itas.kit.edu/num_lp_paro11_quazu.php und http://www.itas.kit.edu/num_lp_paro14_karlsschulenach.php

 

Neues Projekt: Think tank for Energy (INSIGHT_E)

Aktuelle energiepolitische Entscheidungen sind nicht nur sehr komplexe, sondern auch grundsätzliche politische Entscheidungen. Die Notwendigkeit, diese auf der Grundlage von soliden, neutralen und aktuellen Informationen und Wissen zu treffen, macht daher die Energiepolitikanalyse und -beratung einer ganzen Reihe von nichtkommerziellen Akteuren zum Schlüssel für die Formulierung einer effektiven Politik. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Projektes „Interdisciplinary Strategic Intelligence wareHouse and Think tank for Energy (INSIGHT_E)“, einen multidisziplinären und unabhängigen Think Tank mit Experten aus dem Energiesektor, hochkarätigen Wissenschaftlern, Ingenieuren sowie führenden Experten aus den Bereichen Handel, Wirtschaft, Umweltschutz und Recht zu etablieren, die Erfahrung mit qualitativ hochwertiger Politikberatung und Folgenabschätzung haben. Dieser Think Tank wird politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa objektive und neutrale Politikberatung, Einblicke in verschiedene politische Optionen sowie eine Abschätzung ihrer möglichen Folgen bieten. Darüber hinaus wird der Think Tank die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger auf neue Technologie-Trends sowie die Ziele und Aktivitäten wichtiger Interessenvertreter lenken, die die europäische Energiepolitik beeinflussen.

Um die politischen Optionen bezüglich der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische, soziale und institutionelle Dimension) zu beurteilen, nutzt das Projekt einen integrierten Bewertungsrahmen, der durch qualitativ hochwertige Datenressourcen gestützt wird, die dem Projektkonsortium zur Verfügung stehen. Ergänzend werden im Projekt durch die Einrichtung eines „Energieobservatoriums“ innovative Methoden zur Beteiligung von Interessenvertretern und Trendanalyse eingeführt. Da Transparenz hier eine wichtige Rolle spielt, wird INSIGHT_E seine Modelle, Annahmen und Szenarien in einem „Szenario-Informationssystem“ zur Verfügung stellen.

Im EU-Projekt, das durch das 7. Forschungsrahmenprogramm finanziert wird, arbeiten 13 Partner zusammen. Die Projektleitung liegt beim ITAS.

Ansprechpartner

Dr. Witold-Roger Poganietz
E-Mail: poganietz∂kit.edu

 

Personalia

Neue Kolleginnen und Kollegen

Ahssem Almehasneh ist seit Mai 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „BioenNW – Delivering Local Bioenergy to North-Western Europe“ und im Forschungsbereich „Nachhaltigkeit und Umwelt“ tätig. Er promovierte 2008 am Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung (Universität Freiburg). Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte umfassen den Einsatz von 3D-Visualisierungstechniken und Simulationsmodellen für komplexe Fragestellungen in der Landschaft- und forstlichen Planung sowie Fragen des strategischen Managements.

Georg Huber ist seit April 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Wissensgesellschaft und Wissenspolitik“. Er hat einen Bachelor-Abschluss in European Studies, einen Master in European Studies on Society Science and Technology und einen LL.M European Law School (alle von der Universität Maastricht). Seine Arbeitsschwerpunkte am ITAS werden die Themenbereiche Big Data und staatliche Überwachung sein.

Alexandra Pehle ist seit Mai 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITAS im Projekt „Biomasse OUI – Innovationen für eine nachhaltige Biomassenutzung in der Oberrheinregion“ tätig. Sie studierte Umweltwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen bei der Erstellung von Szenarien für die Biomassenutzung und die Landnutzungsänderung in der Oberrheinregion bis zum Jahre 2030.

 

ITAS-Kollegen sind Gewinner im Hochschulwettbewerb 2014 „Mehr als Bits und Bytes“

Der Projektvorschlag „Welches Wissen wollen wir? Verantwortungsvolle Wege, gemeinsam digitales Wissen zu gestalten“ hat im Hochschulwettbewerb „Mehr als Bits und Bytes – Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit“ gewonnen. Julia Hahn und Christoph Schneider vom ITAS fragen zusammen mit FabLab Karlsruhe e.V. (http://www.fablab-karlsruhe.de/) danach, wie verantwortungsvolle Innovationen in der digitalen Gesellschaft aussehen können. Sie veranstalten dazu drei fächerübergreifende interaktive Workshops mit Bürgern, Technikgestaltern und Wissenschaftlern.

In dem Wettbewerb wurden deutschlandweit 15 Projekte junger Forscher ausgezeichnet, die mit dem Preisgeld von je 10.000 Euro nun durchgeführt werden können. Der Hochschulwettbewerb steht im Zeichen des von „Wissenschaft im Dialog“ und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerichteten Wissenschaftsjahres 2014 – die digitale Gesellschaft.

Ziel der Workshops ist es, anhand der Gestaltung von Technik und Zukunftsvisionen, Möglichkeiten der gemeinsamen Verantwortungsübernahme für Innovationen zu ergründen und experimentell auszutesten. Das geschieht u. a. durch die interaktive Konkretisierung abstrakter Konzepte wie „Verantwortung“, „digitales Wissen“ und „Innovation“. Die Workshops sind inspiriert von der Open Source-Bewegung und der neuen Kultur offener Werkstätten wie des FabLab Karlsruhe. Open Source-Technologien sind der praktische Input für die Workshops, um breitere Visionen der Zukunft des digitalen Wissens zu erarbeiten. In einer abschließenden öffentlichen Veranstaltung werden das Projekt, der Forschungsprozess und seine Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Veröffentlichungen

openTA legt umfassende Bibliografie zur sozialwissenschaftlichen TA-Literatur vor

In Kooperation mit der GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften hat das Projekt openTA eine Bibliografie zur „Technikfolgenabschätzung als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Literatur“ erstellt. Die Publikation kann online über openTA und SSOAR (Social Science Open Access Repository) bezogen werden. Gedruckte Exemplare können über die GESIS angefordert werden. Die Bibliographie bietet 657 Literaturnachweise aus der Datenbank SOLIS (Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem) zum Thema Technikfolgenabschätzung (TA) über den Zeitraum von 1978 bis 2013.

Von einem gewissen Interesse dürfte eine solche Bibliographie, die 35 Jahre Literaturproduktion zur TA erschließt, für alle sein, die einen wissenschaftlichen Einstieg in das Themenfeld verbunden mit einem Literaturüberblick suchen. Dazu zählen Studierende, die etwas über TA lernen möchten, ebenso wie Dozenten, die Kenntnisse über die TA in der Lehre vermitteln möchten. Auch bei der Entwicklung von Curricula für TA-Studiengänge mag eine solche strukturierte Übersicht hilfreich sein. Des Weiteren könnten Forscher mit einem historischen Interesse an der Entwicklung der Technikfolgenabschätzung im deutschsprachigen Raum eine solche Bibliografie begrüßen. Nicht zuletzt sollte sie aber auch all denen, die sich gegenwartsorientiert mit TA befassen, nützliche Hinweise liefern können.

Bibliografische Angaben: Böhle, K.: Technikfolgenabschätzung als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Literatur: eine annotierte Bibliografie deutschsprachiger Quellen von 1978 bis 2013. Recherche Spezial, 2014/1, GESIS: Köln 2014; http://www.openta.net/documents/10179/34933/Recherche-Spezial_TA_Druckversion/6113911e-747e-4940-8207-76b5882c3a21

Bestellformular für gedruckte Ausgabe unter http://sowiport.gesis.org/Topics/Research-Special/Technikfolgenabschaetzung

Tagungsband der PACITA-Konferenz in Prag erschienen: Policy Areas of Great Transitions

Wo liegen aktuell Herausforderungen für die Technikfolgenabschätzung? Wie entwickelt sich TA in unterschiedlichen europäischen Ländern? Die internationale TA-Community kam im März 2013 in Prag zu ihrer ersten wissenschaftlichen Konferenz im Rahmen des EU-Projekts PACITA zusammen. Im Mai 2014 hat das ITAS in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Partner „Technologiezentrum ASCR (TC)“ den umfangreichen Tagungsband zur Konferenz veröffentlicht. Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel, die sich jeweils verschiedenen Aspekten der TA widmen. Das erste Kapitel enthält Beiträge der Keynote speaker Wiebe Bijker, Stefan Böschen und Rut Bízková. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Institutionalisierung von TA in verschiedenen europäischen Ländern sowie in Japan. Partizipative Verfahren und Methoden sind Gegenstand des nächsten Kapitels. Es folgt ein Kapitel, das seinen Fokus auf Fragen der Nachhaltigkeit, den Energiesektor und Mobilitätskonzepte legt. Schließlich werden im letzten Kapitel Artikel über neue und emergierende Technologien, Robotik, ethische und datenschutzrechtliche Fragen veröffentlicht.

Professor David Cope, Universität Cambridge: „It must be, by some margin, the most comprehensive report on ‘technology assessment’ (TA) ever produced.“ (S. 373)

Bibliografische Angaben: Michalek, T.; Hebakova, L.; Hennen, L.; Scherz, C.; Nierling, L.; Hahn, J. (Hg.): Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions. Proceedings from the PACITA 2013 Conference in Prague, 13.-15.03.2013. Prag, Tschechien: Technology Centre ASCR 2014; http://pacita.strast.cz/en/outputs/outputs-list/proceedings-from-the-pacita-2013-conference-in-prague

Technology Assessment and Policy Areas of Great Transitions