Technikfolgenabschätzung als „Assessment“ von Debatten. TA jenseits der Technikfolgenforschung

Schwerpunkt: Risikodiskurse/Diskursrisiken. Sprachliche Formierungen von Technologierisiken und ihre Folgen

TA jenseits der Technikfolgenforschung

von Armin Grunwald, ITAS

Eine der klassischen Beschreibungen der Technikfolgenabschätzung (TA) besteht darin, sie als Technikfolgenforschung für Politikberatung zu verstehen. Während dies für viele Felder der TA immer noch gilt, hat sich jedoch in den letzten ca. zehn Jahren im Bereich der „new and emerging sciences and technologies“ (NEST) eine neue Entwicklung ergeben. Technikfolgenforschung ist dort aufgrund der vielfach spekulativen, zumindest aber hoch unsicheren Zukünfte kaum möglich. Stattdessen werden die sich dazu bildenden wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten, etwa zur Nanotechnologie, zur Synthetischen Biologie oder zum Human Enhancement selbst zum Gegenstand der TA. In ihrer Erforschung bedarf die TA der interdisziplinären Kooperation mit den dafür einschlägigen Fachwissenschaften, wie z. B. der soziologischen Diskursforschung oder der Sprachwissenschaft.

1     Einführung

Es ist gar nicht so einfach wie es scheint, den Gegenstand der TA zu bestimmen. Semantisch naheliegend ist anzunehmen, dass Technikfolgen ihr Gegenstand sind, dies scheint geradezu analytisch wahr zu sein. Es ist aber nicht ohne weiteres klar, was dies nun bedeutet. Sind es wirklich Technikfolgen oder nicht vielmehr Folgen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung oder Folgen der Nutzung der Ergebnisse dieser Entwicklung? Immerhin, der Begriff der Folgen scheint der TA inhärent zu sein. Und es muss in der TA um die Antizipation von Folgen gehen, nicht um eine retrospektive Erforschung schon eingetretener Folgen, denn ansonsten könnte kein Beitrag zu Gestaltungsaufgaben geleistet werden. Soviel scheint klar zu sein.

Damit enden die Fragen jedoch nicht. Bei näherer Betrachtung fächert sich das Feld auf. Wie kann die Antizipation von Folgen aussehen und wie belastbar ist sie? Zumindest drei Modi der Orientierung durch Folgenbetrachtungen sind zu unterscheiden, sortiert nach epistemologisch unterschiedlichen Zugriffen auf die Zukunft (Grunwald 2013): die prognostische, die szenarische und die hermeneutische Orientierung. Gehört die erste zum Gründungsinventar der TA und die zweite seit ca. zwei Jahrzehnten zu ihrem klassischen Repertoire (Teil 2), so führt die hermeneutische Orientierung auf eine konzeptionelle Erweiterung, die die Entwicklungen der letzten ca. zehn Jahre im Kontext der „new and emerging sciences and technologies“ auf den Punkt bringt (Teil 3). Abschließend werden Forschungsfragen zu diesem dritten Feld skizziert, die neue interdisziplinäre Kooperationen unter dem Dach der TA erfordern.

2     Die „klassische Konstellation“ der TA: Folgenforschung

Die Erfahrung der Ambivalenzen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der daraus resultierenden Notwendigkeit, sich bereits möglichst frühzeitig und umfassend mit möglichen Folgen zu befassen, um gestaltend eingreifen zu können, ist Grundmotivation der TA (Grunwald 2010). Die Folgenperspektive unter besonderer Beachtung nicht intendierter Technikfolgen ist der TA sozusagen eingeschrieben. Dies gilt auch für die Ansätze der Technikgestaltung im Rahmen der Technikgenese wie im „Constructive Technology Assessment“ (CTA, vgl. Rip et al. 1995), denn Gestaltung wird dort unter den Zielen der Realisierung erwünschter und der Verhinderung oder Minimierung unerwünschter Folgen betrieben, also ebenfalls in klarer Folgenorientierung.

Die Folgenorientierung ist zentralen Begriffen der TA inhärent, so z. B. der Frühwarnung vor technikbedingten Gefahren (Paschen/Petermann 1992, S. 26), aber auch der Früherkennung der Chancen von Technik, damit diese optimal genutzt werden können. In beiden Richtungen geht es um ein Abwägen von Chancen und Risiken – Chancen und Risiken sind jedoch beide nichts weiter als Folgendimensionen unter unterschiedlichen Bewertungsperspektiven (Bechmann 2007). TA soll dazu beitragen, systematisch die Voraussicht für die Folgen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in zeitlicher und thematischer Hinsicht auszuweiten, statt wie historisch oft geschehen, nach dem Prinzip von „Versuch und Irrtum“ vorzugehen, und im Falle unerwarteter negativer Technikfolgen erst im Nachhinein umzusteuern und die Schäden zu reparieren (wenn das angesichts der Reichweite vieler moderner Technologien dann überhaupt noch möglich wäre). Man könnte den Slogan der TA formulieren als: besser vorausdenken als nachträglich reparieren!

Technikfolgenforschung ist daher das zentrale analytische Element der TA. Der enge Zusammenhang der Folgenorientierung der TA mit ihrem Gestaltungsauftrag hat zu einer Kurzbeschreibung geführt, die zeitweise sogar im Sinne einer Definition gehandelt wurde: TA als Technikfolgenforschung und Politikberatung (Petermann 1992). Dies kann sozusagen als die basale Konstellation der TA angesehen werden. Die bereits erwähnte CTA stellte bereits eine Erweiterung in Bezug auf die Gestaltung in Ingenieurwissenschaften und Wirtschaft dar, setzt aber ebenfalls auf den engen Zusammenhang zwischen Folgenreflexion und Gestaltung.

Nun muss TA prospektiv sein, denn es geht um die Erforschung von Technikfolgen, die es noch gar nicht gibt und evtl. nie geben wird. Nur wenn TA prospektiv arbeitet, kann sie zu Gestaltungszielen wie der Früherkennung oder der Frühwarnung beitragen. Allerdings hat bekannterweise Zukunftswissen generell und Technikfolgenwissen im Besonderen einen erkenntnistheoretisch prekären Status. Da vom Folgenwissen und dessen Qualität die Möglichkeiten der TA abhängen, belastbare Handlungsoptionen entwickeln und damit zur Umsetzung von Gestaltungsintentionen beitragen zu können, liegt hier eine Achillesferse der TA (vgl. kritisch zum Begriff der Frühwarnung Bechmann 1994).

Der früheste Ansatz der TA zur Lösung dieses Problem bestand im Einsatz und der Weiterentwicklung von Prognoseverfahren (zum Prognose-Optimismus vgl. Grunwald 2003). Die Orientierung durch prospektive Folgenforschung wurde dabei so vorgestellt, dass durch die prognostische Imagination von zukünftigen Entwicklungen ein belastbarer Rahmen erzeugt werden könnte, der es erlauben würde, anstehende Entscheidungen, z. B. in Fragen der Regulierung oder des Ausbaus von Infrastrukturen, so auszurichten, dass sie sich optimal in diesen Rahmen einfügen. Das Vorbild sind naturwissenschaftliche Prognosen wie etwa in der Himmelsmechanik. Die dafür notwendigen Bedingungen – geschlossene Systeme, kausale Determinierung – sind jedoch in den zentralen gesellschaftlichen Handlungs- und Entwicklungsfeldern einschließlich des Umgangs mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt sicher nicht erfüllt. In der Folge kommt es zu einer erheblichen Unsicherheit über die Technikfolgen und zu einer teils erheblichen Diversität und Divergenz entsprechender Technikzukünfte (Grunwald 2012).

Bestand in früheren Zeiten die Hoffnung, durch die Verbesserung von Prognoseverfahren irgendwann dennoch zu guten Prognosen auch im gesellschaftlichen Bereich zu kommen (z. B. Renn 1996), und bestehen zurzeit teils ähnliche Erwartungen in Verbindung mit Big Data und intelligenten Verfahren des Data Mining, so ist jedoch auf prinzipielle Grenzen dieser Erwartungen hinzuweisen. Aufgrund der internen Struktur von Zukunftswissen, seiner sozialen Konstruiertheit in der „Immanenz der Gegenwart“ (Grunwald 2012), aber auch weil der weitere Verlauf der Zukunft von menschlichen Entscheidungen abhängt, welche möglicherweise durch die betreffenden Folgenaussagen selbst beeinflusst werden (selbst erfüllende und selbst zerstörende Prophezeiung), ist das Prognoseproblem auch durch mehr Forschung nicht überwindbar. Sogar ist festzuhalten, dass dies auch seine positive Seite hat. Denn Prognosen sind nur in deterministischen Systemen möglich, und dann würden Gestaltungsmöglichkeiten obsolet – aus politischer und gesellschaftlicher Perspektive kein angenehmer Gedanke.

Was aber kann TA tun, wenn Folgenforschung als Prognose nicht funktioniert? Hier kann auf Entwicklungen verwiesen werden, die seit etwa zwei Jahrzehnten dem Gedanken der, so möchte ich das hier nennen, szenarischen Orientierung durch Folgenforschung breiten Raum verschafft haben. Wenn Aussagen zu Technikfolgen zwar nicht im Sinne eines Prognoseoptimismus konvergieren, es aber in Form von Szenarien erlauben, die möglichen zukünftigen Entwicklungen in klar unterscheidbaren Weisen zu strukturieren, dann ist dies auch eine Form der Orientierungsleistung durch Folgenforschung. Szenarien haben sich heute in vielen Bereichen der TA und der Nachhaltigkeitsforschung als Standardkonzept für das systematische Nachdenken über die Zukunft etabliert. Sie werden in unterschiedlichen Bereichen, zu den unterschiedlichsten Themen und zu verschiedenen Zwecken generiert. Besonders häufig sind sie dort anzutreffen, wo ein Bedarf nach Orientierung zu komplexen Problemstellungen besteht, wo diese Problemstellungen von übergreifender, gesellschaftlicher Bedeutung sind, und wo es unterschiedliches Wissen, verschiedene Meinungen und Ansichten zu integrieren gilt.[1] Soweit hat TA gelernt, mit der Offenheit der Zukunft und der dadurch implizierten Nicht-Prognostizierbarkeit konstruktiv umzugehen.

3     Die Erweiterung der TA um ein „Assessment“ von Debatten

Nun ist aber auch die Möglichkeit szenarischer Orientierung an Voraussetzungen gebunden, die keineswegs immer erfüllt sind. Es muss gute Gründe geben, ein Spektrum von Szenarien auszuwählen, z. B. in Form von worst case, best case und business as usual. Damit Orientierungsleitung durch Szenarien gelingt, darf diese Auswahl nicht beliebig und auch nicht extrem breit gespreizt sein. Wenn, bildlich gesprochen, der best case das Paradies und der worst case der Weltuntergang ist, kann nicht mehr sinnvoll szenarische Orientierung erbracht werden (Grunwald 2013). Ihre Möglichkeit ist daran gebunden, dass, wieder metaphorisch gesprochen, der betrachtete Zukunftskegel keine Halbkugel ist, sondern ein Kegel mit einem relativ kleinen Öffnungswinkel.

Die Debatten zu den „new and emerging sciences and technologies“ (NEST) thematisieren Zukünfte, die diese Voraussetzung nicht erfüllen. Sie gruppieren sich um mehr oder weniger futuristische Technovisionen (Coenen 2006), welche zwischen Erlösungshoffnungen und Apokalypse schwanken und sich damit dem szenarischen Modell entziehen. Auch ist, anders als etwa bei modellgestützten Szenarien, ihr wissenschaftlicher Status unklar, da sie einen narrativen Charakter haben. Beispiele sind die Debatten zur Nanotechnologie (DEEPEN 2009), zur „technischen Verbesserung des Menschen“ (Human Enhancement), zur Synthetischen Biologie und zum Climate Engineering. Sie sind geprägt durch Konstellationen von „hope, hype & fear“ und durch tief greifende Ambivalenzen (Grunwald 2012), welche sich nicht kognitiv auflösen lassen.

Orientierungsleistung kann hier angesichts eines argumentativ nicht oder kaum eingrenzbaren Zukunftskegels nur darin bestehen, die grundsätzlich offene Zukunft in Bezug auf diese NEST-Entwicklungen semantisch und hermeneutisch aufzuklären, um besser informierte und reflektierte Zukunftsdebatten zu erlauben. Statt einer Schließung der Zukunftsbetrachtungen durch Prognosen oder ihrer strukturierenden Eingrenzung durch Szenarien muss es in diesem Fall darum gehen, das der TA innewohnende Moment des „Denkens in Alternativen“ in einem radikalen Sinne bereits auf die möglichen Zukünfte zu beziehen und nicht nur, wie in den anderen Fällen, auf die Entwicklung von alternativen Handlungsoptionen. Eine hermeneutisch ausgerichtete TA (Torgersen 2013) kann nur als Angebot verstanden werden, die Bedingungen einer offenen, transparenten und demokratischen Deliberation und Aushandlung der jeweils nächsten Schritte im Umgang mit den NES-Technologien (also z. B. das Setzen der weiteren Forschungsagenda, Regulierungen oder die Initiierung gesellschaftlicher Debatten) zu verbessern.

Der Gegenstand einer derartigen „hermeneutischen TA“ können nur die Debatten selbst sein. Eine Technikfolgenforschung, die sozusagen unabhängig vom Debattenverlauf die Folgen technischer Entwicklungen für Gesellschaft und Umwelt in den Blick nimmt und sie nach wissenschaftlichen Maßstäben modelliert und möglicherweise sogar quantitativ erfasst (Kap. 2), zumindest in szenarischer Hinsicht, ist hier vollkommen unmöglich; ja, schon ihr Versuch wäre absurd. Solche Versuche gibt es zwar immer wieder, wenn z. B. vor über zehn Jahren das zukünftige Marktvolumen für auf Nanotechnologie basierende Produkte mit astronomischen Summen angegeben wurde. Derartige Darstellungen erscheinen jedoch als bloß einem zeitgenössischen Bedarf an scheinobjektiven Zahlenwerten auch dort geschuldet, wo es die Datenlage und die Offenheit der Zukunft einfach nicht hergeben. Daher würde ich auch derartige „Simulationen“ von Technikfolgenforschung als Teile der Debatte interpretieren wollen, mit Diagnosen, Prämissen, Erwartungen und Annahmen, die es zu untersuchen und zu verstehen gilt – wie eben auch die Diagnosen, Prämissen, Erwartungen, Befürchtungen etc. anderer Debattenbeiträge. TA als Assessment dieser Debatten würde a priori keinerlei Debattenbeiträge ausschließen: akademische Beiträge wie etwa von Jean-Pierre Dupuy, geäußerte Sorgen und Befürchtungen wie etwa von Bill Joy, leuchtende Ausmalungen der Zukunft wie von Eric Drexler oder den Transhumanisten, Positionen von gesellschaftlichen Gruppen wie etwa zivilgesellschaftlichen Organisationen oder der Industrie, Fragen und Stellungnahmen aus dem politischen und öffentlichen Bereich und selbstverständlich die in massenmedialer Kommunikation verbreiteten und diskutierten Aspekte.

Das Ziel des Assessments solcher Debatten und ihrer Gehalte (die in der Regel Zukunftsprojektionen wie etwa Visionen sind) wurde oben bereits genannt. Letztlich ist es eine Selbstaufklärung: die kognitiven Gehalte der Debattenelemente mit ihren epistemologischen Randbedingungen herausarbeiten, die normativen Bestandteile wie Werte und Zukunftserwartungen transparent explizieren, involvierte Interessen der Debattenteilnehmer aufdecken und ihre strategischen Ziele klar machen.

Das „Vision Assessment“ (Grunwald 2009; Ferrari et al. 2012) wäre ein Element eines Assessments der entsprechenden Debatten. Denn um der Möglichkeit hermeneutischer Orientierung nachzuspüren, ist es erforderlich, die Ursachen und Quellen der Divergenz der verhandelten technovisionären Zukünfte aufzudecken. Zukunftsbilder sind soziale Konstrukte, erzeugt und „hergestellt“ durch Menschen, Gruppen und Organisationen zu je bestimmten Zeitpunkten. Sie entstehen aus einer Komposition von Zutaten in bestimmten Verfahren, seien diese wissenschaftlich oder literarisch. Dabei gehen die je gegenwärtigen Wissensbestände, aber auch Zeitdiagnosen, Werte und andere Formen der Weltwahrnehmung in diese Zukunftsbilder ein. Die Divergenz der Zukunftsbilder zu NEST-Themen spiegelt die Pluralität der Gegenwart. Die hermeneutische Orientierungsleistung besteht also darin, zu versuchen, aus Debattenbeiträgen in all ihrer Diversität etwas über uns, unsere gesellschaftlichen Praktiken, unterschwelligen Sorgen, impliziten Hoffnungen und Befürchtungen zu lernen. Diese Form der Orientierung besteht letztlich in nicht mehr als darin, die Bedingungen dafür zu verbessern, dass demokratische Debatten und Zukunftsentscheidungen aufgeklärter, transparenter und offener ablaufen können.[2]

4     Forschungsperspektiven

TA als Assessment von Debatten bedarf anderer Methoden und teilweise der Mitwirkung anderer Disziplinen als in ihrer Form als Technikfolgenforschung. Einige Elemente derartiger erweiterter Perspektiven und Forschungsfragen sind:

Wenn die These, dass Technikzukünfte ein wesentliches Medium gesellschaftlicher Technikdebatten und von Technikgestaltung sind (Grunwald 2012), berechtigt ist, dann besteht die Notwendigkeit, sie besser zu verstehen, in ihrer Entstehung, Struktur und Gehalt sowie in ihrer Wirkungsweise. Sie folgt aus dem Bedarf an Aufklärung über uns selbst, nicht danach, besser prognostizieren zu können: Denn wenn wir Technikzukünfte besser verstehen, verstehen wir uns selbst besser, unsere gesellschaftlichen Debatten, die unterschiedlichen Interessen, Hoffnungen und Befürchtungen, die oft divergierenden Wahrnehmungen und Positionen der gesellschaftlichen Akteure, auch weit jenseits der Wissenschaften. Einen interdisziplinären „hermeneutischen Blick“ (Torgersen 2013) auf Zukunftsdebatten zu entwickeln, wäre die Vision einer TA als Assessment der entsprechenden Debatten – verbunden mit der Hoffnung, dass wir dann besser, d. h. vor allem transparenter über den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und seine Folgen diskutieren und das Gestaltbare auch besser und demokratisch gestalten können.

Anmerkungen

[1] Dies gilt z. B. im Feld der Energieszenarien. Sie haben eine hohe Entscheidungsrelevanz trotz eines epistemologisch unklaren Status (vgl. Dieckhoff et al. 2011; Grunwald 2011).

[2] Dass TA hier zu einer Diskursanalyse wird oder sich ihrer bedienen muss, ist übrigens kein neuer Gedanke. Dass TA so etwas wie „Landkarten“ zu Technikdebatten erstellen müsse, die die Relationen von Akteuren und Argumenten darstellen, ist durchaus Teil ihres Selbstverständnisses – allerdings bislang eher als Teil der „Technikfolgenforschung“ denn als eigenständiger Zweig der TA.

[3] Technikzukünfte, also z. B. Visionen oder Szenarien, können als Medien der Kommunikation in Technikdebatten verstanden werden. „Im Medium“ der Technikzukünfte debattieren wir z. B. über Chancen und Risiken von Zukunftstechnologien. Denn die Chancenerwartungen oder Risikobefürchtungen beziehen sich auf Zukünftiges, zu dessen begrifflicher Erfassung Technikzukünfte entscheidende Medien darstellen.

Literatur

Bechmann, G., 1994: Frühwarnung – die Achillesferse der TA? In: Grunwald, A.; Sax, H. (Hg.): Technikbeurteilung in der Raumfahrt. Anforderungen, Methoden, Wirkungen. Berlin, S. 88–100

Bechmann, G., 2007: Die Beschreibung der Zukunft als Chance oder Risiko? In: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis 16/1 (2007), S. 24–31

Coenen, Chr., 2006: Der posthumanistische Technofuturismus in den Debatten über Nanotechnologie und Converging Technologies. In: Nordmann, A.; Schummer, J.; Schwarz, A. (Hg.): Nanotechnologien im Kontext. Philosophische, ethische und gesellschaftliche Perspektiven. Berlin, S. 195–222

DEEPEN – Deepening Ethical Engagement and Participation in Emerging Nanotechnologies, 2009: Reconfiguring Responsibility. Deepening Debate on Nanotechnology; http://www.geography.dur.ac.uk/projects/deepen (download 13.6.13)

Dieckhoff, Chr.; Fichtner, W.; Grunwald, A. et al. (Hg.), 2011: Energieszenarien. Konstruktion, Bewertung und Wirkung – „Anbieter“ und „Nachfrager“ im Dialog. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing

Ferrari, A.; Coenen, Chr.; Grunwald, A., 2012: Visions and Ethics in Current Discourse on Human Enhancement. In: Nanoethics 2012; DOI 10.1007/s11569-012-0155-1

Grunwald, A., 2003: Die Unterscheidung von Gestaltbarkeit und Nicht-Gestaltbarkeit der Technik. In: Grunwald, A. (Hg.): Technikgestaltung zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Berlin, S. 19–38

Grunwald, A., 2009: Vision Assessment Supporting the Governance of Knowledge – The Case of Futuristic Nanotechnology. In: Bechmann, G.; Gorokhov, V.; Stehr, N. (Hg.): The Social Integration of Science. Institutional and Epistemological Aspects of the Transformation of Knowledge in Modern Society. Berlin, S. 147–170

Grunwald, A., 2010: Technikfolgenabschätzung. Eine Einführung. Berlin

Grunwald, A., 2011: Energy Futures: Diversity and the Need for Assessment. Futures 43 (2011), S. 820–830; DOI:10.1016/j.futures.2011.05.024

Grunwald, A., 2012: Technikzukünfte als Medium gesellschaftlicher Zukunftsdebatten und der Technikgestaltung. Karlsruhe

Grunwald, A., 2013: Modes of Orientation Provided by Futures Studies: Making Sense of Diversity and Divergence. In: European Journal of Futures Studies; DOI 10.1007/s40309-013-0030-5

Paschen, H.; Petermann, Th., 1992: Technikfolgenabschätzung – Ein strategisches Rahmenkonzept für die Analyse und Bewertung von Technikfolgen. In: Petermann, T. (Hg.): Technikfolgen-Abschätzung als Technikforschung und Politikberatung. Frankfurt a. M., S. 19–42

Petermann, Th. (Hg.), 1992: Technikfolgen-Abschätzung als Technikforschung und Politikberatung. Frankfurt a. M.

Rip, A.; Misa, T.; Schot, J. (Hg.), 1995: Managing Technology in Society. London

Renn, O., 1996: Kann man die technische Zukunft voraussagen? In: Pinkau, K.; Stahlberg, C. (Hg.): Technologiepolitik in demokratischen Gesellschaften. Stuttgart, S. 23–51

Torgersen, H., 2013: TA als hermeneutische Unternehmung. In: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis 22/2 (2013), S. 75–80

Kontakt

Prof. Dr. Armin Grunwald
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Karlstraße 11, 76133 Karlsruhe
E-Mail: armin.grunwald∂kit.edu