Studie des Office Parlamentaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques zu den Kosten der Stromerzeugung

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Studie des Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques zu den Kosten der Stromerzeugung

Bericht von Christian Batalille und Robert Galley, Abgeordnete der französischen Nationalversammlung

von Rainer Papp, Forschungszentrum Karlsruhe, Projektträgerschaft Entsorgung

Während der erste Band der Studie des Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques (OPECST) zum Stand der nuklearen Entsorgung in Frankreich ("L'Aval du Cycle Nucléaire", s. TA-Datenbank-Nachrichten Nr. 3/4, 7. Jg., Nov. 1998, S. 67 ff.) mögliche nukleare Entsorgungsstrategien für Frankreich zum Gegenstand hatte, wird in diesem zweiten Band die Kostensituation bei der Stromerzeugung insgesamt analysiert. Stromerzeugung heißt bei Frankreich zu 80 Prozent aus Kernenergie, aber vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung und im Vergleich zur Situation in anderen Ländern. Diese 80 Prozent kommen aus "nur" 60 Prozent der installierten Leistung - mehr als immerhin 20 Prozent sind in hydroelektrischen Anlagen installiert. Dieses 80:60-Verhältnis wird als wichtige Kennzahl hervorgehoben und beispielsweise den Verhältnissen bei der erneuerbaren Energie gegenübergestellt: in Dänemark sind 7 Prozent der Kapazität in Windenergieanlagen installiert, diese liefern aber nur 1,5 Prozent des dänischen Stroms.

Die französischen Kernkraftwerke (KKW) haben die Phase höchster Konkurrenzfähigkeit erreicht, was es dem staatlichen Stromerzeuger Electricité de France (EdF) erlaubt, der Industrie einen äußerst günstigen Preis anzubieten. Er wird im internationalen Vergleich nur von Ländern wie Norwegen und Kanada unterboten, die reichlich über Wasserkraft verfügen. Auf dem Sektor der privaten Haushalte liegt der französische Preis beim Ländervergleich jedoch nur im Mittelfeld. Die geplante Lebensdauerverlängerung des KKW-Parks auf mindestens 40 Jahre wird es der EdF ermöglichen, ihren Kunden noch günstigere Tarife zu berechnen. Nachdem es der politische Wille der französischen (der "grande") Nation war, auf die Kernenergie zu setzen, müsste dieser Nutzen allen Franzosen zukommen - und nicht nur den in- und ausländischen Aktionären im Falle einer Privatisierung der EdF. Daher, so folgern Bataille und Galley, dürfte die Privatisierung vor dem Zeitraum 2020-2030 nicht in Erwägung gezogen werden.

Lagen zu Beginn der 80er-Jahre die Stromgestehungskosten für KKW deutlich unter denen für Kohlekraftwerke, so ist seit dieser Zeit eine "Konvergenz" der Kosten bei Bezug auf Neuanlagen unübersehbar. Der Kostenvorsprung hat sich von 22 centimes (cF) pro kWh auf 3 cF/kWh verringert (1995). Dies gilt auch im Vergleich zu Gas. Breiten Raum nimmt im Bericht die Darstellung neuer Entwicklungen auf dem Gebiet der nicht nuklearen Energiegewinnung ein. Der Bericht ist diesbezüglich ein interessantes Nachschlagwerk mit umfangreichen Angaben technischer, ökonomischer und umweltrelevanter Daten. Einige Bereiche seien stichwortartig vermerkt.

Der Bericht bezweifelt keineswegs die Konvergenz der Stromerzeugungskosten bei Neuanlagen, hebt jedoch methodische Unzulänglichkeiten bei den bisherigen Kostenanalysen hervor. Nur bei der Kernenergie sei der Beitrag aller Kostenblöcke erfasst: F+E, Brennstoffkreislauf, Endlagerung, Stillegung. An externen Kosten seien die als Folge der Freisetzung von SO2 und NOx, insbesondere die des CO2, nicht erfasst.

Der Bericht behandelt in einem großen, abschließenden Kapitel den Treibhauseffekt und die Berechnung externer Kosten, wobei er sich auf die Studie ExternE (Europäische Kommission, 1995 und 1998) stützt. Nach Aussage des Max-Planck-Instituts und des Hadley Centre (GB) sei die Wahrscheinlichkeit geringer als 5 Prozent, dass die beobachtete Erwärmung der Erdatmosphäre nur auf natürliche Ursachen zurückzuführen sei. Wichtigste Quelle des CO2 ist der Verkehr, an zweiter Stelle steht die Stromerzeugung. Der Bericht geht ausführlich auf das Kyoto-Protokoll und den Handel mit Emissionsrechten ein. Die in ExternE für CO2 ermittelten externen Kosten liegen zwischen 8 (Gas) und 18 cF/kWh (Kohle). Daraus und aus der Fülle aller anderen Befunde ziehen Bataille und Galley den Schluss, dass auch in Zukunft die Kernenergie unentbehrlich ist. Sie kann durch die Neuentwicklungen auf dem Stromsektor nicht ersetzt, sondern nur ergänzt werden.

Bibliographische Angaben

Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scietifiques et Technologiques: L'Aval du Cycle Nucléaire. Tome II: Les couts de production de l'électricité. Paris, Februar 1999. 395 S., ISSN 1249-3872

Der Bericht kann bezogen werden vom Office Parlementaire d'Evaluation des Choix Scientifiques et Technologiques, Assemblee Nationale, 233 Bd. St Germain, F-75355 Paris Cedex 07 SP; Fax:+33 (0)1 40638808

Kontakt

Dr. Reiner Papp
Projektträgerschaft Entsorgung (PTE)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Tel.: +49 721 608-25794