TAB-Projekt "Neue Medien und Kultur"

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TAB-Projekt "Neue Medien und Kultur"

Der neugegründete Ausschuss "Kultur und Medien" des Deutschen Bundestages hatte Ende des Jahres 1999 angeregt, durch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) ein Projekt "Neue Medien und Kultur" durchführen zu lassen. Dazu wurde das TAB im Juli 2000 beauftragt. Als Ziel wurde formuliert, "zukünftige Auswirkungen der Entwicklung Neuer Medien auf den Kulturbegriff, die Kulturpolitik, die Kulturwirtschaft und den Kulturbetrieb" sichtbar zu machen und begründete Aussagen über mögliche Veränderungen im Bereich des Kulturellen zu erhalten. Die Projektrealisierung erfolgt in einem regelmäßigen Dialog mit Mitgliedern des Ausschusses "Kultur und Medien" (Vorsitzende Monika Griefahn) sowie des Unterausschusses "Neue Medien" (Vorsitzender Jörg Tauss) des Deutschen Bundestages.

Hintergrund und leitende Fragestellungen

Die Neuen Medien sind gegenwärtig durch drei grundlegende technische Trends charakterisiert: die Digitalisierung der Medieninhalte, die Vernetzung in globaler Dimension und die Konvergenz unterschiedlicher informations- und kommunikationstechnischer Lösungen.

Der digitalisierte Zugang zum elektronischen Netz erlaubt prinzipiell den Abruf aller weltweit on-line verfügbaren medialen Inhalte. Das Neuartige dieser Entwicklung besteht in der Überwindung räumlicher und zeitliche Grenzen. Dieser Prozess hat eine enorme soziale und kulturelle Dynamik in Gang gesetzt, die erst am Anfang steht. In diesem Zusammenhang prägt der Begriff "virtuelle Gemeinschaften" das Bild neuer Formen kommunikativer Interaktionen und Muster.

Die neuartigen Zugangsmöglichkeiten zu medialen Inhalten verändern einerseits die Funktionen von Produzenten und Vermittlern, wie Verlagen, Rundfunkstationen oder Musikproduzenten, andererseits beeinflussen sie das Kommunikationsverhalten, die Nutzungsprofile und die Interaktionsformen der (End-)Nutzer in besonderer Weise.

Dieser Wandel wird - so die Arbeitshypothese - Auswirkungen auf die kulturelle Praxis haben. Damit wird die Beantwortung der Frage, was unter einem zeitgemäßen Kulturbegriff zu verstehen ist, zu einem der zentralen Ausgangspunkte. Es bietet sich an, von einem relativ weiten Kulturbegriff auszugehen. Hierfür kann auf die Abschlusserklärung der Weltkonferenz über Kulturpolitik, Mexiko, 6. August 1982 ("Erklärung von Mexiko City über Kulturpolitik"), zurückgegriffen werden. Darin wird hervorgehoben, "dass die Kultur in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden kann, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Das schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen".

Ein derartig weiter Kulturbegriff eröffnet die Möglichkeit zu beobachten, wie sich die medialen Wandlungen auf gewohnte

Vorgehensweise

Die Projektbearbeitung erfolgt in drei Phasen: Erarbeitung von Basisanalysen (Phase I), Erstellung von Vertiefungsanalysen zu Wechselwirkungen zwischen Neuen Medien und Kultur (Phase II), Aufzeigen von Implikationen und Handlungsfeldern für den politischen Entscheidungsprozess (Phase III).

Projektlaufzeit und Projektteam

Das Projekt soll Ende des Jahres 2001 abgeschlossen sein.

Unter der Leitung von Professor Dr. Herbert Paschen (TAB) und Professor Dr. Gerhard Banse (ITAS) arbeiten in dem Projektteam Gotthard Bechmann, Christopher Coenen, Bettina Krings und Bernd Wingert.

Kontakt

Professor Dr. Herbert Paschen
Büro für Technikfolgen-Abschätzung
beim Deutschen Bundestag (TAB)
Neue Schönhauser Straße 10, 10178 Berlin
Tel.: +49 30 284910
E-Mail: buero∂tab-beim-bundestag.de

Professor Dr. Gerhard Banse
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe