Den Kopf in den Sand? Über Gefahrenerkennung in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation Mülheim an der Ruhr, 12.-14. Januar 2001

Ankündigungen

Den Kopf in den Sand? Über Gefahrenerkennung in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation

Mülheim an der Ruhr, 12.-14. Januar 2001

Für Lebewesen und Artgemeinschaften ist die rechtzeitige Erkennung von Gefahren mitentscheidend für ihr Überleben im "Kampf ums Dasein". Deshalb haben sie in der Evolution wirkungsvolle Verfahren zur Gefahrenerkennung entwickelt.

Unsere wissenschaftlich-technische Zivilisation hat nun aber neuartige Groß-Risiken mit sich gebracht, für deren Erkennung der Mensch weder durch seine natürlichen Sinnesorgane noch durch bewährte gesellschaftliche Verfahren gerüstet ist. Daher rührt in nicht geringem Maße die gegenwärtige ökologische Bedrohung unsere Existenz. Die bisher im Zusammenwirken von Umweltwissenschaften, Politik und Justiz geübte Praxis zur Identifizierung von Gefahren ist schon deshalb unzureichend, weil man Gefahrenerkennung noch nicht einmal als erkenntnistheoretisches, geschweige denn als wissenschaftsorganisatorisches und politisches Problem hinreichend erfasst und diskutiert hat. Dies zeigt die Analyse von Fallbeispielen sehr deutlich. Eines der Hauptprobleme ist die Asymmetrie zwischen "Chancen" und "Risiken" mit den daraus resultierenden Interessenkonflikten. Die Chancen sind klar erkennbar, über kurze Kausalketten kurzfristig erreichbar und marktförmig privatisierbar. Hier liegen die ökonomischen Interessen und die kommerzielle Macht. Die "Risiken" kommen meist über unüberschaubare Wirkungen und Nebenwirkungen durch die Hintertür und betreffen andere als die Nutznießer und Verursacher, oft erst künftige Generationen. Die an den Chancen Interessierten aber wollen die Risiken nicht sehen und stecken den Kopf in den Sand.

Die Politik - also die Gesetzgebung - und die Rechtsprechung stehen vor neuartigen Problemen, die belastet sind durch tiefliegende Missverständnisse zwischen (gutachterlicher) Wissenschaft und der Justiz.

Die Tagung wird von der Evangelischen Akademie Mülheim an der Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal-Institut veranstaltet.

Die Vortragenden und ihre Themen sind:

Prof. Dr. Günter Tembrock, Berlin: "Wie erkennen Lebewesen Gefahren?"

Dr. Leberecht v. Klitzing, Lübeck: "Welche Gefahren birgt Elektrosmog?"

Dr. Andreas Gies, Umweltbundesamt, Berlin: "Spermakrise": Droht der Verlust männlicher Fertilität?"

Prof. Dr. Erich Schöndorf, Frankfurt a.M.: "Der Holzschutzmittel-Prozess. An der Schnittstelle zwischen Recht und Wissenschaft"

Prof. Dr. Martin Schulte, Dresden: "Zum Umgang mit Wissen, Nicht-Wissen und unsichtbarem Wissen im Bereich des Rechts"

Prof. Dr. Michael Drieschner, Bochum: "Nicht Fakten, sondern Möglichkeiten: Was heißt es, Gefahren zu erkennen?"

Dr. Hans-Jochen Luhmann, Wuppertal Institut: "Von der Verdrängung zur Erkenntnis. Defizite in der Organisation der Sorgfalt bei der Gefahrenerkennung"

Außerdem finden Gruppengespräche mit den Referenten oder geladenen Gästen zum Thema "Risiko und Gefahr" sowie "Konsequenzen für die Politik" statt.

Kontakt:

Dr. Hans-Jürgen Fischbeck
Evangelische Akademie Mülheim an der Ruhr
D-45479 Mülheim an der Ruhr
Tel.: +49 (0) 208 - 59906-0
E-Mail: hans-juergen fischbeckGzr6∂ev-akademie-muelheim de

Tagungssekretariat: Petra Büssemeiner Tel.: + 49 (0) 208 - 59906-543 

Montag bis Freitag 8:00 bis 13:00 Uhr
Fax für Gäste: +49 (0) 208 - 59906-686