Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Schwerpunktthema: Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Technologievorausschau und Technologiebeobachtung

Vor dem Hintergrund knapper werdender staatlicher FuE-Budgets und der Furcht, im internationalen Technologiewettlauf den Anschluß bzw. ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, engagieren sich immer mehr Länder in Aktivitäten der Technologievorausschau und -beobachtung. Sie erhoffen sich davon, die Technologien zu identifizieren, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein werden und damit Hinweise für die zukünftige Prioritätensetzung in ihrer Forschungs- und Technologiepolitik gewinnen zu können. Forschungspolitische Prioritätensetzung und technologische Vorausschau war schon einmal Schwerpunktthema der TA-Datenbank-Nachrichten (Nr. 4, 2. Jahrgang, Dezember 1993). Wir hatten dort über entsprechende Vorausschau-Aktivitäten in Deutschland, den Niederlanden und vorbereitende Aktivitäten in Großbritannien berichtet. Inzwischen hat Großbritannien einen sehr ehrgeizigen Technologievorausschau-Prozeß abgeschlossen; Deutschland bereitet eine zweite Delphibefragung vor. Frankreich und Indien führen auch Vorausschau-Aktivitäten durch. Die EU und Frankreich haben Einrichtungen für die Technologiebeobachtung geschaffen. Die USA analysieren ihre Wettbewerbsfähigkeiten bei kritischen Technologien. 18 große, zumeist private Organisationen aus den USA und Europa haben das Projekt 2025: "Anticipating Development in Science and Technology and Their Implementations for the Corporation" der Coates & Jarrat Inc. gefördert. Den Vorreiter in der modernen technologischen Vorausschau hat Japan gespielt, das bereits seit 1971 Delphi-Studien in fünfjährigem Turnus durchführt.

Gemeinsam ist allen Vorausschau-Aktivitäten ist, das sie in mehr oder weniger grossem Umfang als Prozeß organisiert werden, in den möglichst viele Wissenschaftler und Experten aus Industrie und Administration, aber auch Vertreter anderer gesellschaftlicher Gruppen einbezogen werden.

Die technologische Vorausschau bzw. ihre Bedeutung für die Forschungs- und Technologiepolitik ist aber auch umstritten. Von verschiedener Seite wird darauf verwiesen, daß sie einer stark interventionistischen staatlichen Innovationspolitik Vorschub leiste, die in der Vergangenheit oft zu Mißerfolgen und Fehlallokationen geführt habe; sinnvoller sei es, die Innovationsstruktur bzw. das nationale Innovationssystem zu stärken. Die Proponenten der technologischen Vorausschau sehen hier aber keinen Widerspruch; technologische Vorausschau, insbesondere wenn sie als Prozeß zwischen allen am Innovationsprozeß Beteiligten organisiert werde, erhöhe die Sensibilität aller Beteiligten bezüglich möglicher zukünftiger Entwicklungen, fördere den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und die Bildung von Innovationsnetzwerken und biete auch der Industrie Orientierungswissen für ihre eigenen Prioritätensetzungen.

Ein Teil der hier angesprochenen Technologievorausschau und -beobachtungsaktivitäten soll im Rahmen dieses Themenschwerpunktes vorgestellt werden.

(Reinhard Coenen, ITAS)