OTA's Vermächtnis

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OTA's Vermächtnis

Das Office of Technology Assessment des US Congress, das Ende September des vergangenen Jahres geschlossen wurde - wir berichteten darüber - hat jetzt dem Kongreß sein Vermächtnis,"OTA's Final Legacy", überreicht, wie es Roger C. Herdman, der letzte amtierende Direktor des OTA in einer Pressemitteilung des Kongresses vom April '96 formulierte. Sämtliche 755 Forschungsberichte, die das OTA im Laufe seiner 23jährigen Geschichte für Mitglieder und Ausschüsse des Kongresses erarbeitet hat, sind als CD-ROM verfügbar. Die Sammlung könnte, so Herdman, noch für viele Jahre ein wichtiges Instrument der politischen Analyse und Entscheidungsfindung im Bereich von Wissenschaft und Technik sein. Die Berichte umfassen alle wissenschafts- und technologiebezogenen Felder, mit denen das OTA sich befaßt hat: Verteidigung, Raumfahrt, Energie, Umwelt, Bildung, Transport, Gesundheit, Wirtschaft, Telekommunikation und Neue Werkstoffe.

Während eine 17-köpfige "close-out" Mannschaft die Schließung des Büros in der Zeit von Oktober '95 bis März '96 abwickelte, erstellte ein kleines Projektteam, in Zusammenarbeit mit einem Softwarebüro und unterstützt von freiwilligen ehemaligen Mitarbeitern des OTA, die vollständige Veröffentlichung sämtlicher OTA-Berichte sowie einer Reihe von "Background Papers" und "Contractor Documents" auf CD-ROM. Die insgesamt fünf CDs enthalten mehr als 100.000 Seiten Volltext und Graphiken, mit einer Einführung zur Struktur und Geschichte des Office. Die Sammlung ist voll indexiert und im portable document format (PDF) gespeichert, lesbar mit Acrobat-Software von Adobe, die auch auf der CD-ROM enthalten und kompatibel mit Windows, Apple, DOS und Unix ist, d.h. die CD-ROM ist nahezu auf jedem PC zu nutzen. Die CD ist leicht verständlich und übersichtlich aufgebaut, die Qualität der Graphiken, Tabellen und Abbildungen ist hervorragend - weitaus besser als das Angebot des OTA im Internet, das im übrigen auch noch sehr begrenzt ist. Der Preis von $23,-- bezieht sich wirklich auf das gesamte Set, was wir am Anfang gar nicht glauben wollten!

An dieser Stelle sei außerdem darauf hingewiesen, daß die TA-Datenbank selbst Angaben zu 719 Veröffentlichungen des OTA und den dazugehörigen Projekten enthält. Eine Recherche in der Datenbank würde also einen sehr guten Überblick über das gesamte Spektrum der Publikationen des OTA liefern.

Zu den Bemühungen um eine Fortführung der Arbeit des OTA ist anzumerken, daß alle bisherigen Versuche, private Gelder für die institutionelle Absicherung des "little OTA", dem Institute for Technology Assessment (ITA) zu gewinnen, gescheitert sind. Ein ausführlicher Artikel zur Gründung des ITA, seiner geplanten Struktur und Organisationsform sowie den möglichen Adressaten seiner Arbeit ist von Vary Coates, der Präsidentin des ITA, in den TA-Datenbank-Nachrichten vom Dezember 1995 veröffentlicht worden.

Für die vergebliche Suche nach Geldern führt Vary Coates folgende mögliche Gründe an: Zum einen wollten die gemeinnützigen Verbände bzw. die Stiftungen nicht den Eindruck erwecken, als ob sie bereit wären, Arbeiten zu finanzieren, die der Kongreß verworfen hat. Außerdem sähen die Stiftungen ihre Aufgabe nicht darin, Institutionen zu schaffen ("foundations are not in the institute-building business"). Zudem stünde bei einigen potentiellen Geldgebern auch die folgende Überlegung im Hintergrund: Wenn vom Kongreß gestrichene Funktionen oder Aufgaben in private Finanzierung übernommen würden, könnte das den Kongreß vielleicht sogar noch zu weiteren Kürzungen ermutigen, um Sparbereitschaft zu demonstrieren.

Gegenwärtig bemüht sich das ITA um Fördermittel für einzelne TA-Projekte. Es hat z. Z. keinen full-time Stab, kann jedoch dank einer Anschubfinanzierung der Garfield Foundation (u.a. The Scientist) ein kleines Büro in Washington unterhalten. Trotz der großen Enttäuschung über die vergeblichen Bemühungen um eine Grundfinanzierung wird in der Privatisierung die einzig realistische Chance für die Fortführung der Arbeit des OTA und damit für die Zukunft des ITA gesehen. Das ITA hat nach Meinung seiner Befürworter durchaus eine Chance ("plausible opportunity"), eine Nische zu besetzen, und als Erbe des OTA als privat-finanzierte Einrichtung TA-Studien u.a. an Regierungsbehörden, Wissenschaftliche Vereinigungen und die 51 Bundesregierungen zu "verkaufen".

(I.v.B)

Bestellhinweis für die CDROM

"OTA Legacy", Vol. 1-5
GPO stock number S/N 052-003-01457-2
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P.O. Box 371954
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