Webmaster, bitte zahlen! Aber wie?

Neues aus ITAS

Webmaster, bitte zahlen! Aber wie?

Das ITAS-Projekt Elektronische Zahlungssysteme im Internet "PEZ" befaßt sich mit elektronischen Zahlungssystemen für digitale Produkte und Dienstleistungen im Internet.

Das Internet macht gegenwärtig einen Wandel vom einst staatlich finanzierten und national orientierten Wissenschaftsnetz zu einem kommerziell betriebenen, globalen Universalnetz durch. Die Kommerzialisierung des Internet betrifft sowohl die Trägerschaft und den Betrieb der Netzinfrastruktur als auch die dort angebotenen Dienste und Produkte. Das Wachstum dieses Marktes, so die häufig zu hörende Meinung, werde derzeit behindert, weil kein angemessenes Zahlungssystem im Internet verfügbar sei. An experimentellen Systemen, die versuchen, die verschiedenen bargeldlosen Zahlunsgformen wie Scheck, Kreditkarten, Überweisungen oder auch "echtes" Bargeld im Internet zu ermöglichen, fehlt es nicht. Aber von etablierten und akzeptierten Zahlungssystemen im Internet kann in keinem Fall die Rede sein. In der gegenwärtigen Phase wird allenthalben experimentiert, und das meiste erscheint noch offen - selbst für die Position, daß der elektronische Handel sich nicht zu einem Erfolg entwickeln wird und elektronisches Geld entbehrlich bleibt, lassen sich Argumente finden.

Obwohl gerade der medienwirksame Ausdruck "elektronisches Geld" einmal mehr von einer bevorstehenden Revolution zu künden scheint, ist auch dieses neue Phänomen nicht ohne vielfältige Rückbezüge zu verstehen. Schon lange gibt es "elektronischen Zahlungsverkehr" in großem Stil zwischen den Banken und im Geschäftsverkehr mit Banken; schon lange gibt es auch Online-Zahlungen am "Point of Sale", und viele Kunden nutzen diverse Plastikkarten mit Zahlungsfunktionen - seien es solche mit Magnetstreifen oder Chip. Schon lange gibt es auch kommerzielle Onlinedienste wie T-Online, AOL und noch länger die professionellen Datenbankanbieter, die ihre digitalen Fachinformationen verkaufen.

Vor diesem Hintergrund ist die Neuheit zu sehen, die mit der Kommerzialisierung des Internet sich ausbilden mag: An die Stelle privater, sicherer (sog. value added) Netze tritt ein globales, offenes Netz, und an die Stelle langfristig vertraglich geregelter Beziehungen und der Bewegung in ausgewiesenen "Nutzergruppen" tritt potentiell ein anonymer Markt im "digitalen Milieu", auf dem jeder anbieten und (nach Möglichkeit auch anonym) kaufen kann. Dabei stehen Geldbeträge zur Diskussion, die nur Bruchteile heutiger Geldstückelungen umfassen ("minipayment"). An diesem Punkt kann der Bedarf nach sicheren, elektronischen Zahlungssystemen im Internet entstehen.

Der Fokus der vom BMBF geförderten Untersuchung liegt bei solchen Zahlungssystemen im Internet, die für den Handel mit digitalen Informationsprodukten und Dienstleistungen (elektronische Publikationen, Datenbankinhalte aller Art, Medienangebote wie Film, Fernsehen und Radio, Software, Beratung etc.) geeignet sind. Hier können Angebot, Kauf-Verkauf, Liefern und Zahlen sowie auch die Nutzung bzw. Inanspruchnahme vollständig im "digitalen Milieu" des Internet abgewickelt werden.

Das Projekts soll den Sachstand zu dem skizzierten Problemfeld aufbereiten und transparent machen, Konfliktlinien und wahrscheinliche Entwicklungspfade aufzeigen sowie Handlungsoptionen und förderpolitisch relevante Hinweise geben. In der elektronischen Projektbeschreibung auf dem ITAS-WWW-Server http://www.itas.fzk.de/ deu/projekt/pez.htm wird das Projekt etwas ausführlicher vorgestellt. Mit Ergebnissen ist Ende 1997 zu rechnen.
(K.B.)

Kontakt

Knud Boehle
Ulrich Riehm
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
Tel: +49 721 608-22989
E-mail: knud boehle∂kit edu
E-mail: ulrich riehm∂kit edu