Aus dem Netzwerk TA

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TATuP Bd. 28 Nr. 2 (2019), S. 80

Praxis

Ein Portal ist nur so gut wie seine Community!

Das DFG-geförderte Fachportal openTA im Netzwerk TA

Constanze Scherz, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlstr. 11, 76133 Karlsruhe (scherz@kit.edu), orcid.org/0000-0003-4488-439X

Maximilian Rossmann, ITAS/KIT (maximilian.rossmann@kit.edu)

Ansgar Skoda, ansgar@skoda-webservice.de, orcid.org/0000-0003-2844-7675

Len Piltz, ITAS/KIT (len.piltz@kit.edu), orcid.org/0000-0002-6090-9756

Im Sommer 2019 endet das DFG-Projekt „Fachportal openTA – Kooperativer Aufbau eines Fachportals Technikfolgenabschätzung mit akteursspezifisch konfigurierbaren IuK-Diensten auf Basis dezentraler Informationsressourcen“. openTA ist heute eine gut funktionierende Plattform, die das Potenzial hat, das Netzwerk TA (NTA) noch enger zu knüpfen. openTA hat außerdem das Potenzial, Technikfolgenabschätzung (TA) für eine breite Öffentlichkeit attraktiv zu machen, indem Informationen über TA-Literatur, -Experten und -Veranstaltungen nutzerfreundlich zur Verfügung gestellt werden. Im Folgenden wird ein Überblick gegeben über einige der erwarteten Projektergebnisse. Schließlich ist dies ein Aufruf an die „Gemeinschaft der TAler“, das Portal unbedingt auch weiterhin zu unterstützen und vielleicht sogar zur internationalen Plattform auszubauen!

DFG-Förderung

Das Konzept des Fachportals TA wurde von NTA-Forschenden unter Federführung des ITAS konzipiert und seit 2012 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es orientiert sich sowohl am Bedarf der Forschung als auch an Konzepten innovativer, leistungsfähiger und nachhaltiger Informationsinfrastrukturen. Die Kooperation des ITAS mit dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur gewährleistet den für ein erfolgreiches Projekt notwendigen Qualifikationsmix.

In Förderphase 1 (2012–2015 mit den drei Kooperationspartnern ITAS, KIT-IAI und KIT-Bibliothek) hatte sich das Grundkonzept bewährt: Die vorhandenen Ressourcen konnten über weit verbreitete Standards (RSS, Atom, iCalendar, BibTeX, RIS, SRU etc.) aggregiert, in einer Datenbank auf Basis der Open-Source-Software Elasticsearch aufbereitet und als Webdienst sowohl im Portal als auch dezentral bei den Nutzern als konfigurier- und personalisierbare Feeds oder Widgets angeboten werden. Durch die softwaretechnische Weiterentwicklung und erhebliche Beiträge zur Community-Bildung ist in Förderphase 2 (2016–2019) die Etablierung der Dienste (openTA-Kalender, -Publikationen, -Newsdienst) gelungen.

Einige Ergebnisse

Nach dem Aufbau der grundlegenden Infrastruktur standen für Förderperiode 2 drei übergreifende Ziele im Vordergrund: innovativen Methoden und Konzepten zum Durchbruch zu verhelfen und sie produktiv anzuwenden; Vernetzungspotenziale auszuschöpfen; Nachhaltigkeit und Nachnutzung zu sichern. So wurde openTA mit Normdaten und Linked Open Data (LOD) angereichert und kann selbst LOD anbieten. Dadurch wurde die Qualität der Metadaten verbessert und die Vernetzung des Systems mit anderen Quellen im Web verstärkt.

Die im openTA-Portal aggregierten Publikationen umfassen eine große Bandbreite an Publikationstypen (Tabelle 2).

Publikationstyp

Anzahl Publikationen

Aufsatz in Periodikum

6.224

Aufsatz in Sammelband

5.581

Monographie

5.395

Bericht

4.855

Vortrag

4.159

Sammelband

1.291

Sonstige

218

Periodikum

76

Tab. 2: Die unterschiedlichen Publikationstypen bei den openTA Publikationen (Stand: 1/2019). Quelle: Eigene Darstellung

Um die Normdaten-Identifikatoren zu speichern, war eine Datenbankanpassung der Portalsoftware notwendig. Die openTA-Datenbank enthielt bei der erstmaligen Anreicherung des gesamten Publikationsbestandes 27.830 Publikationen (Stand Januar 2019). Tabelle 1 zeigt die Zuwachszahlen für die einzelnen Identifikatoren nach der erstmaligen Komplettanreicherung.

Identifikator

vor Anreicherung

nach Anreicherung

Zuwachs

DOI

1.927

4.229

2.302

ISBN

4.882

5.773

891

ISSN

1.236

2.043

1.807

GND für Autoren/Herausgeber

0

3.778

3.778

ORCID für Autoren/Herausgeber

0

81

81

Tab. 1: Zuwachszahlen bei den einzelnen Normdaten-Identifikatoren nach der erstmaligen Komplettanreicherung des Publikationsbestandes. Quelle: Eigene Darstellung

TATuP in openTA

Ein weiteres Projektziel war, die Zeitschrift TATuP ins openTA-Portal zu integrieren. Mit dem TATuP-Relaunch in 2016 von einer nicht-begutachteten zu einer begutachteten Open-Access-Zeitschrift, die beim oekom Verlag erscheint, wechselte auch die Onlinepräsenz auf eine neue Plattform (www.tatup.de). Um die Artikel der 25 Heftjahrgänge vor dem Relaunch (www.tatup-journal.de), einschließlich Volltextsuche und Metadaten, auch auf der neuen Plattform abrufen zu können, musste die Datenbank in ein anderes Format konvertiert werden. Als besondere Herausforderung zeigte sich die lückenlose Ergänzung und Standardisierung bibliometrischer Daten aus einer über die Jahre händisch gepflegten Datenbank.

NTA sollte das Portal unbedingt weiterhin unterstützen und vielleicht sogar zur internationalen Plattform ausbauen.

Das Ziel des Projekts war es, die Datenbank zu konvertieren, so dass der Import in die elektronische Plattform Open Journal Systems (OJS) durch das XML-Importtool gelingt. Für diese Migration der Datenbanken wurde ein Python Skript geschrieben, das die Citavi-Daten einliest, zur händischen Überarbeitung bearbeitbare Vorlagen einzelner Issues exportiert und die überarbeitete Datei in das Zielformat schreibt. Um Lücken im Datensatz zu schließen, wurde das Programm ergänzt um einen automatisierten Abruf der Archivwebseiten. Dazu wird mit den offenen Python-Bibliotheken urllib und BeautifulSoup jeweils der HTML-Code nach Tags und Regularexpressions mit dem gesuchten Inhalt ausgelesen. Auch hier zeigte sich, welche Entwicklung die Vorläuferformate der aktuellen Zeitschrift TATuP – bis zurück zu den TA-Datenbank-Nachrichten aus den 1990er-Jahren – in den letzten Jahren vollzogen hatten: Die Standards zur Darstellung der Metadaten wurden erst zeitweise eingeführt und dann stetig verbessert. Zwar lassen sich Titel und Seitenname in allen Ausgaben leicht auslesen, doch dem Computer lässt sich nicht ganz einfach sagen, welche Textteile zu Vorname, Mailadresse und Instituten gehören. Mit der Migration auf die OJS-Plattform werden diese Metadaten aus den unterschiedlichen Quellen zusammengeführt, ergänzt und in ein einheitliches Format konvertiert. Die von tatup-journal.de übernommene Struktur stellt dabei sicher, dass Ausgaben vollständig sind und die Links zu den Artikeln funktionieren.

Statt wie geplant nur die Citavi-Datei zu konvertieren und stellenweise zu ergänzen, dient nun die Struktur von tatup-journal.de als Vorlage für das neue Archiv. Auf Basis generischer DOIs wurden die Metadaten aus dem Citavi-Archiv, aus den Artikelseiten von tatup-journal.de und händisch ergänzt. Diese Verknüpfungen ermöglichten außerdem, die Artikeltexte zusammen mit dem Quellcode automatisiert zu übertragen und zu formatieren, sodass Layout und Darstellung künftig über ein einheitliches CSS-Stylesheet modifizierbar sind.

Nachnutzung

Im Frühjahr 2019 wurde mithilfe der Befragungsplattform SoSci-Survey eine openTA-Nutzerbefragung durchgeführt, die zeigte, dass der ganz überwiegende Teil der Portalnutzerinnen und -nutzer NTA-Mitglieder sind und die openTA-Dienste gut angenommen werden. Unsere Gespräche mit Nutzerinnen und Nutzern haben auch gezeigt, dass der redaktionell betreute, monatlich erscheinende openTA-Neuerscheinungsdienst (https://www.openta.net/neuerscheinungsdienst) als sehr informativ angesehen wird. Der Dienst stellt – thematisch geordnet – neue Bücher zur TA und aus verwandten Forschungsgebieten vor, die im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nachgewiesen werden. Ein Editorial zu jeder Ausgabe findet man im openTA-Blog (https://www.openta.net/blog), dieses wird von einer kleinen, aber sehr beständig arbeitenden Redaktion geschrieben. Hier zeigt sich beispielhaft die Unterstützung durch einzelne NTA-Mitglieder. Wenn die DFG-Förderung nun ausläuft, bedarf es aber auch der Unterstützung durch die NTA-Mitgliedsinstitutionen. Ein Portal wie openTA ist keine starre Homepage, die einmal programmiert wurde, um dezentral Daten mit TA-Relevanz zusammenzuführen. Das Portal muss ständig gepflegt, vor allem aber auch technisch und inhaltlich weiterentwickelt werden. Die dezentrale Architektur von openTA setzt das Engagement der Community voraus: Die funktionale Qualität der Dienste ist entscheidend für den weiteren Erfolg des Portals. Innerhalb des NTA betreuen sog. Dienste-Administratoren bereits seit langem die NTA-E-Mail-Liste und die Mitgliederverwaltung. Finden sich weitere Engagierte? Und last but not least: Für die Wartungs- und Entwicklungsaufgaben, die nach der DFG-Förderung nötig werden, braucht es neue Beteiligungs-, aber auch Finanzierungsformen. Schaffen wir das als NTA?

Mit einer kostenpflichtigen Veröffentlichung in dieser Rubrik informieren NTA-Mitglieder über ihre Aktivitäten und unterstützen TATuP. Sie möchten sich beteiligen? Sprechen Sie uns einfach an unter redaktion@tatup.de.