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TATuP Bd. 27 Nr. 3 (2018), S. 73

Praxis

Die Arbeitsgruppe für Technikbewertung und ihre Folgen

Daniela Fuchs und Michael Nentwich, Institut für Technikfolgen-Abschätzung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Apostelgasse 23, 1030 Wien, daniela.fuchs@oeaw.ac.at, orcid.org/0000-0002-2202-1027, michael.nentwich@oeaw.ac.at, orcid.org/0000-0003-2269-0076

Die Geschichte des ITA – zuerst im Rahmen einer „Arbeitsgruppe für Technikbewertung“ (1984/85), 1988 als eigenständige Forschungsstelle und letztlich, ab 1994, als vollwertiges Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) – ist zugleich eine Geschichte der Technikfolgenabschätzung in Österreich. Dreißig Jahre nach der Gründung der „Forschungsstelle Technikbewertung“ (FTB) an der ÖAW ist diese Historie jetzt im Detail nachzulesen.

Verankert in den Umweltdebatten und Technologiekontroversen der frühen 1980er-Jahre, v. a. in den Auseinandersetzungen um das AKW Zwentendorf (1978) und die Besetzung der Hainburger Au (1984), waren politische Bemühungen, das Thema „Technik und Gesellschaft“ in Österreich auch akademisch zu verankern, mit der quasi zeitgleichen Etablierung mehrerer Einrichtungen erfolgreich. Neben dem Institut für Technik und Gesellschaft an der TU Wien (gegründet 1982) und dem Institut für Wissenschafts- und Technikforschung an der Universität Wien (gegründet 1988) wurde auch die Technikbewertung (im engeren Sinne) in Österreich, genauer an der ÖAW, heimisch. Das institutionelle und politische Standing der ÖAW boten der neugegründeten „Arbeitsgruppe Technikbewertung“ den Rahmen, sowohl unabhängige Technikbewertungen für politische Auftraggeber als auch praxisorientierte TA-Forschung durchzuführen. Ursprünglich als Teil des ÖAW-Instituts für Sozioökonomie gegründet, sollte die „Arbeitsgruppe Technikbewertung“ eine Schnittstelle zwischen Forschung zu gesellschaftlichen Langzeitentwicklungen und Bewertung von Technologien darstellen. Nach der Ausgründung als eigenständige Forschungsstelle Technikbewertung (FTB) gewann das Tätigkeitsprofil eine zusätzliche Facette: Während politik-orientierte Forschungstätigkeit von Anfang an im Zentrum gestanden hatte, konsolidierte sich im Laufe der Zeit eine breitere wissenschaftliche Forschungsarbeit; über die Zeit ist auch eine zunehmende Schärfung des Profils des Instituts (u. a. durch die Ausgliederung des Health Technology Assessment 2006) zu beobachten.

Das ITA vertritt den Anspruch, Beiträge zu wissenschaftlicher Erkenntnis, zur wissensbasierten Beratung von Politik und Gesellschaft sowie zur Methodenentwicklung in der TA zu leisten (vgl. Leitbild des ITA). In seiner Geschichte findet sich daher ein wechselndes Muster an Themen, Auftraggebern und Adressaten. Im Hinblick auf Politikberatung sind vor allem eine erste frühe Zusammenarbeit mit dem Parlament (Parlamentarische Enquetekommission, 1991–1992), welche 2014 wiederaufgenommen wurde, und die erfolgreiche Durchführung des Technologie-Delphi Austria (1996–1998) für die österreichische Verwaltung hervorzuheben.

Allerdings verlief die Geschichte des ITA nicht ohne Rückschläge. Die mehrfach drohende Schließung als eigenständige Forschungsstelle nach dem Weggang des damaligen Leiters Ernst Braun (1990) bzw. später nochmals als Institut (2011) trugen zu seiner teilweisen Reformierung und Konsolidierung bei. Wenngleich von Anfang an interessiert an Kooperationen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Auftraggeber, führte vor allem letztgenannte Krise zu einer aktiven Öffnung in Richtung Gesellschaftsberatung; unter anderem auch durch die weitere Beförderung einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikationskultur des Instituts. Nicht zuletzt durch die Bewältigung solcher Herausforderungen illustriert die Geschichte des ITA nicht nur Besonderheiten des österreichischen politisch-sozialen Umfelds, sondern auch die generelle Resilienz der TA, die es ihr ermöglicht, sich selbst in einem spannungsgeladenen Umfeld, wie jenem dem sich inter- und transdisziplinär arbeitende Institutionen tendenziell ausgesetzt sehen, längerfristig zu behaupten.

Zum Weiterlesen

Nentwich, Michael; Fuchs, Daniela (2018): Drei Jahrzehnte institutionalisierte TA in Österreich: Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Anzeiger der ÖAW, 153 Jg., Preprint: http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-papers/30-Jahre-TA-in-Österreich.pdf.

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