TA-Fokus

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TATuP Bd. 27 Nr. 3 (2018), S. 6–8

 

Meldungen

Call for Sessions

Bratislava empfängt TA-Community

Beherbergt im November 2019 Europas TA-Community: Die über der slowakischen Hauptstadt thronende Burg Bratislava. Quelle: pixabay

Mit der „4th European Technology Assessment Conference“ soll vom 4. bis 6. Oktober 2019 ein weiterer Meilenstein hin zur internationalen Vernetzung der Technikfolgenabschätzung erreicht werden. Zu der Konferenz in Bratislava unter dem Titel „Value-driven Technologies: Methods, Limits, and Prospects for Governing Innovations“ lädt die Slowakische Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit europäischen Partnerinstitutionen ein. Im Fokus der Konferenz steht die Frage nach der aktuellen und der künftig möglichen Rolle von Gesellschaft bei der Gestaltung neuer Technologien. Diskutiert wird insbesondere der Beitrag der TA und der mit ihr verwandten Felder zu wissenschaftlich fundierten Entscheidungen und einer besseren Governance von Innovationen – in Europa und weltweit. Bis zum 15. Januar 2019 können Interessierte Vorschläge für Sessions einreichen, die den wissenschaftlichen Diskurs für einen Austausch mit Zivilgesellschaft und Politik öffnen.

bratislava2019.technology-assessment.info

 

INITIATIVE

Technikpolitik von unten

Wie kann es gelingen, den technologischen Wandel so zu gestalten, dass alle von ihm profitieren? Und welchen Beitrag kann die Wissenschaft zu so einer Gestaltung liefern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz „Technikpolitik von unten – Gewerkschaft, Digitalisierung, Emanzipation“, mit der am 7. und 8. September 2018 in München das Zentrum für emanzipatorische Technikforschung (ZET) gegründet wurde. Rund 100 Interessierte aus Österreich, der Schweiz und Deutschland diskutierten über Möglichkeiten einer emanzipatorischen Technikpolitik, die vielfältige Akteure beteiligt. So waren auf den Panels neben Forschenden von Universitäten und Think Tanks unter anderem auch Hackerinnen und Hacker sowie Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter vertreten. Im Zuge der Tagung sei ein großes Interesse an Alternativen zu der ökonomisch bestimmten Technikentwicklung und -nutzung deutlich geworden, so die Initiatorinnen und Initiatoren. Die Diskussion über mögliche soziotechnische Alternativen wolle man nun mit Hilfe der engeren Vernetzung im ZET vorantreiben.

emancipatory.technology

BÜRGERDIALOG

Autonome Technologien in Europa

Gespräche auf Augenhöhe: Staatssekretär Christian Luft (rechts) diskutiert mit Bürgerinnen und Bürgern über Zukunftstechnologien. Quelle: Patrick Langer

Rund 50 Bürgerinnen und Bürger haben am 20. Oktober 2018 in Karlsruhe einen Tag lang über autonomes Fahren, die Zukunft der Arbeit und über Robotik in der Pflege diskutiert. Ergebnis der Veranstaltung des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) waren zahlreiche konkrete Forderungen an die Politik: etwa, den Fortschritt bei technischen Assistenzsystemen in Europa künftig dafür zu nutzen, dass Menschen ihre Angehörigen länger zu Hause pflegen können. Oder die Förderung einer demokratischen Technikentwicklung im Bereich Automatisierung, die, statt Arbeitsplätze in Gefahr zu bringen, nachhaltiges Wirtschaften und flexible Arbeitszeitmodelle ermöglicht. Um mit den Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren und ihre Vorschläge entgegenzunehmen war Staatssekretär Christian Luft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angereist. „Veranstaltungen wie diese sollte es viel öfter geben“, stellte der Vertreter des BMBF fest. „Politische Entscheidungen werden besser, wenn Sie uns weiter auf den Füßen stehen. Gute Politik ist auf Ihre Rückmeldungen angewiesen“, so sein Appell an die Teilnehmenden.

www.buergerdialog.kit.edu

KONFERENZ

Transformationen und TA

Organisierte mit seinem Team die 8. Ausgabe der NTA-Konferenz: Ralf Lindner vom Fraunhofer ISI in Karlsruhe. Quelle: Fraunhofer ISI/Benedikt Bernhardt

Am 7. und 8. November 2018 versammelten sind rund 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Karlsruher Südwerk zur achten Tagung des Netzwerks Technikfolgenabschätzung, der NTA8. Auf Einladung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) diskutierten die Teilnehmenden über die Rolle der Technikfolgenabschätzung im Hinblick auf gesellschaftliche Transformationen. Das Feld eröffnete mit Oliver Parodi vom Karlsruher Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ einer der erfahrensten deutschsprachigen Wissenschaftler auf dem Gebiet transformativer Forschung. TA-typisch war die Einbindung der „Nachfrageseite“: Auf dem Podium diskutierte u. a. der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und TA, Ernst Dieter Rossmann, mit Philipp Ellett, zuständig für Klimaschutzpolitik beim Verband der Automobilindustrie (VDA), über unterschiedliche Erwartungen an eine in die Gesellschaft wirkende Wissenschaft. Zum Abschluss der Konferenz appellierte Erik Fisher von der Arizona State University an die Community, gerade in Zeiten von alternativen Fakten und Populismus mit ihren Kritikern im Gespräch zu bleiben. Die nächste NTA-Konferenz findet im Frühsommer 2020 in Wien statt.

www.openta.net/blog/NTA8-Splitter.102

PUBLIKATION

Grundlagen und Perspektiven

„Developing technology assessment further […] is essential in the interests of supporting a good future on planet earth.“ Dieser Überzeugung folgend liefert Armin Grunwald in seiner neuen Monografie eine umfassende Betrachtung von TA auf internationaler Ebene. Der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) und des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zeichnet die Entwicklung des Forschungsfelds in den vergangenen 50 Jahren nach und analysiert seine heute etablierten vielfältigen Spielarten – von der parlamentarischen TA in vielen europäischen Staaten und auf internationaler Ebene über partizipative TA in lokalen und regionalen Kontexten bis hin zu einer Folgenabschätzung als Teil der Technikentwicklung selbst. Basierend auf seiner langjährigen Erfahrung reflektiert Armin Grunwald die theoretischen Grundlagen des Forschungsfelds und skizziert Wege hin zu einer künftigen globalen Ausrichtung der Technikfolgenabschätzung.

Grunwald, Armin (2018): Technology Assessment in Practice and Theory. Oxford: Routledge, 253 S., ISBN 9781138337077

NACHRUF

Stefan Gößling-Reisemann

Eine große Begeisterung für die soziotechnische Perspektive auf die Energiewende war charakteristisch für die Arbeit von Stefan Gößling-Reisemann. Der Professor für Resiliente Energiesysteme ist im Sommer 2018 völlig überraschend verstorben. Als ausgebildeter Physiker beschäftigte er sich zunächst unter anderem mit „Entropie als Maß für Ressourcenverbrauch“, Kreislaufwirtschaft und Industrieller Ökologie. Im KLIMZUG-Projekt „nordwest 2050“ zur regionalen Anpassung an den Klimawandel leitete er das Cluster Energie. Als Assistenzprofessor im Fachgebiet Technikgestaltung und Technologieentwicklung nahm er das Leitkonzept der Resilienten Systeme in den Fokus und begeisterte sich für Sektorkopplung und „low exergy solutions“. Im Jahre 2015 wurde er auf die aus Mitteln der Exzellenzinitiative finanzierte Professur berufen. Vor dem Hintergrund seines immensen Engagements in der Lehre, seiner zahlreichen Veröffentlichungen und enormen Drittmittelerfolge stand ihre positive Evaluation unmittelbar bevor. Sein, wie er selbst sagte, „zu großes Herz“ hat das nicht zugelassen. Wir vermissen ihn sehr!

Arnim von Gleich und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachgebiets „Resiliente Energiesysteme“ am Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen.

 

Aus dem openTA-Kalender

16.–17. 02. 2019, DARMSTADT – 1. Darmstädter Tage der Transformation.
www.schader-stiftung.de/themen/gemeinwohl-und-verantwortung/fokus/tage-der-transformation

13. 02. 2019, BOCHUM – The Method of Constructive Technology Assessment (CTA). Bochumer Winter School 2019: Empirische Sozialforschung.
www.bochumer-summer-winter-school.de

21.–23. 03. 2019, MÜNCHEN – Konferenz Governance of Big Transformations.
www.bigtransformations.hfp.tum.de

06.–07. 05. 2019, GRAZ – 18th Annual STS Conference Graz 2019: Critical Issues in Science, Technology and Society Studies
sts-conference.isds.tugraz.at/event/2/

04.–06. 11. 2019, BRATISLAVA – 4th European Technology Assessment Conference. Value-driven Technologies: Methods, Limits, and Prospects for Governing Innovations. (Call for Sessions bis 15. 01. 2019)
bratislava2019.technology-assessment.info

Weitere Termine unter www.openta.net/kalender

 

Personalia

Judith Simon ist Mitglied der im Juli 2018 von der deutschen Bundesregierung eingesetzten Datenethikkommission. Das Gremium soll Regierung und Parlament in Fragen digitaler Schlüsseltechnologien beraten und einen ethisch-rechtlichen Rahmen für den Umgang mit Daten, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz erarbeiten. Die Philosophin, die sich mit Digitalisierung als gesellschaftlichem Phänomen auseinandersetzt, wurde außerdem für die Dauer von vier Jahren in den Deutschen Ethikrat berufen. Judith Simon ist seit 2017 Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg. Zuvor hat sie im In- und Ausland zu Themen aus der Philosophie, Wissenschaftstheorie und Technikfolgenabschätzung geforscht. [Bildquelle: UHH/Nicolai]

Dagmar Oertel ist seit dem 15. September 2018 neue Generalsekretärin der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind die strategische Planung und Weiterentwicklung des gemeinsamen Forschungsprogramms der deutschen Wissenschaftsakademien und die Vertretung der Mitgliedsakademien gegenüber Bund und Ländern. Dagmar Oertel war über zehn Jahre beim Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag tätig. Als Mitglied des Präsidialstabs begleitete sie den Gründungsprozess des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). 2012 übernahm sie die administrative Leitung des neu gegründeten Helmholtz-Instituts Ulm. [Bildquelle: Akademienunion/Ausserhofer]