Editorial

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Editorial

Als Redaktionsteam freuen wir uns jedes Mal, wenn wir den Eindruck haben, aus dem aktuell produzierten Heft ist eine „runde Sache“ geworden. Wir haben dann den Eindruck, komplizierte Sachverhalte strukturiert dargestellt und einen Gedankenraum zu einem Thema zusammengestellt zu haben, in dem die ursprünglich vorhandenen, thematisch losen Fäden gut verknüpft wurden.

Dass die Nebenfolgen technischer Innovationen häufig nur schwer erkennbar und oft erst im Nachhinein präzise bestimmbar werden, gehört zum Alltag der Technikfolgenabschätzung. Gleichzeitig ist das Interesse hoch, sich ihnen möglichst früh zuzuwenden – insbesondere dann, wenn einen das Thema selbst betreffen könnte. Beim Einsatz von Pervasive Computing im Gesundheitswesen könnte dies in unmittelbarer Weise der Fall werden, wie in den beiden Fallstudien unseres aktuellen Schwerpunktes deutlich gemacht wird. So eröffnet das Potenzial der Therapieverbesserung durch ein Moni-toring-System bei Multipler Sklerose oder die beschleunigte Auswahl der richtigen Behandlung für einen potenziellen Schlaganfallpatienten, der wir alle einmal sein könnten, eine erhebliche Faszinationskraft. Versprechen der Sicherheit in nicht genau wägbaren und in dieser Weise unübersichtlichen Situationen werden dabei für den Fall angekündigt, dass sich die Innovation durchsetzt.

Auch Theorie schafft mit ihrer Strukturierungsleistung und Begriffsbildung, so sie schlüssig gelingt, die Reduktion von Unübersichtlichkeit und rundet unsere Gedankenräume zumindest punktuell ab. Die vom ITAS angeregte Debatte um eine Theorie der TA wird in diesem Heft mit drei Beiträgen fortgesetzt. Die Beiträge, die im „Diskussionsforum“ platziert sind, nehmen sehr unterschiedliche Standpunkte ein. Damit werden hier im Vorfeld noch ausstehender synthetisierender Reflexionen lose Fäden angeboten, die zukünftig aufgegriffen werden sollten.

Aus der Sicht praktischer Politikberatung dokumentieren wir in den „STOA-News“ einen umfangreichen Beitrag von Ulrich Fiedeler, Leonhard Hennen und Jens Schippl, in dem sie projektbezogene Erfahrungen in der Beratung des Europäischen Parlaments beschreiben und zur Reflexion der TA-Community vorlegen.

Zu einem aktuellen Thema der Politikberatung meldet sich schließlich Armin Grunwald in seinem Zwischenruf zu Wort, den wir im Anschluss an dieses Editorial veröffentlichen. All dies geschieht in der Hoffnung, Netze der Erkenntnis und Argumentation zu entwerfen, in die sich die losen Fäden mit der Zeit „einspinnen“ lassen.