Misstrauen und soziale Hierarchien als blinde Flecken in ICT4D-Projekten

Erkenntnisse aus Togo und Ruanda

  • Roos Keja Department of Social and Cultural Anthropology, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Kathrin Knodel Collaborative Research Centre “Discourses of Weakness and Resource Regimes”, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Schlagworte: mistrust, social hierarchies, ICT4D, Rwanda

Abstract

Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie für Entwicklung (ICT4D) wird großes Potenzial gesehen, um weltweit Demokratisierungsprozesse voranzutreiben, indem die Menschen Zugang zu Informationen erhalten und dadurch befähigt werden, von ihren Regierungen mehr Rechenschaft und Transparenz einzufordern. Auf der Grundlage ethnographischer Untersuchungen in Togo und Ruanda zu einem SMS-basierten Bürgerbeobachtungs- und ‑bewertungssystem wird argumentiert, dass eine Fokussierung auf den Zugang zu Informationen zu eng ist. Wir zeigen, dass es wichtig ist, den sozio-politischen Hintergrund, wie etwa das Maß an Misstrauen und bestehende soziale Hierarchien, zu berücksichtigen. Diese Dynamiken können eine Herausforderung für die erfolgreiche Implementierung von ICT4D-Projekten mit dem Ziel der politischen Teilhabe darstellen. Die Einbeziehung dieser oft übersehenen Aspekte ermöglicht es, die Diskrepanz zwischen den Annahmen und Zielen von ICT4D und der Lebenswelt der Menschen in Togo und Ruanda besser zu verstehen.

Veröffentlicht
08.07.2019
Zitationsvorschlag
KEJA, R.; KNODEL, K. Misstrauen und soziale Hierarchien als blinde Flecken in ICT4D-Projekten. TATuP Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis, v. 28, n. 2, p. 35-40, 8 Juli 2019.